Brasiliens Seleção ohne Phänomen und Imperador
São Paulo (dpa) - 04.06.2009, 10:42 Uhr
Trotz beeindruckend ansteigender Form steht Ronaldo nicht in Brasiliens Seleção.
Die drei «Veteranen» der brasilianischen «Seleção» ließen kaum eine Gelegenheit aus, auf sich aufmerksam zu machen, doch Nationaltrainer Carlos Dunga ließ sie dennoch links liegen. Weder die inzwischen in Brasilien unter Vertrag stehenden Stürmerstars Ronaldo und Adriano noch der beim AC Mailand glücklose Ronaldinho stehen im brasilianischen Aufgebot für die wichtigen WM-Qualifikationsspiele gegen Uruguay und Paraguay sowie den Confederations Cup in Südafrika. Ob die «alten Hasen» zur WM 2010 noch eine letzte Chance bekommen, ist mehr als fraglich. «Ich bin ein Reservesoldat, der auf seinen Einsatz, auf einen Befehl wartet», hatte der 32-jährige Ronaldo noch vor kurzem seine Hoffnungen auf eine Berufung in die Seleção formuliert. Allerdings glaubte der dreimalige Weltfußballer und Torschützenkönig der WM 2002 wohl selbst nicht recht an seine Nominierung. «Ich bin noch nicht so weit», sagte er selbstkritisch über seinen Fitness-Zustand. Das «Phänomen» bestritt sein letztes von insgesamt 97 Länderspielen mit insgesamt 62 Toren im WM-Viertelfinale 2006 gegen Frankreich. Seit seinem Comeback zeigte er aber eine beeindruckende Leistung: Zehn Tore schoss Ronaldo für seinen Club Corinthians seit Anfang März. Da verstummten selbst Kritiker von «o gordo», «dem Dicken».
Auch Adriano meldete sich nach einer selbst verordneten Denkpause und seinem abrupten Ausstieg bei Inter Mailand («Ich habe mich in Italien nicht wohlgefühlt») vor wenigen Tagen beeindruckend mit einem Tor im ersten Spiel für seinen neuen Club Flamengo zurück. Rio lag ihm zu Füßen. «Der Imperador (Herrscher) ist wieder da», titelten die Sportgazetten. Allerdings verlor der 27-Jährige durch seine Eskapaden seinen angestammten Platz in der Nationalelf, mit der er noch im März auf Länderspielreise war. Insgesamt absolvierte er 47 Partien in der Seleção und schoss dabei 29 Tore. Auch ihn überraschte es nicht, als er sich am 21. Mai nicht auf Dungas Liste fand. Kurz zuvor hatte Adriano noch seinen Freund Ronaldo als Ersatz empfohlen. Solch prominente Fürsprecher hatte der 29-jährige Ronaldinho offenbar nicht. «Wir haben wichtige Spiele in der Qualifikation und beim Confed-Cup vor uns. Da brauche ich Leute mit Spielrhythmus und das ist bei Ronaldinho nicht der Fall», fällte Dunga ein vernichtendes Urteil über den Profi, der seit 2008 beim AC Mailand unter Vertrag steht. Der von einem anhaltenden Formtief geplagte Superstar vergangener Tage dürfte dies kaum als Motivation aufgenommen haben. Selbst die Zeitung «O Globo» fragte ratlos: «Was jetzt, Ronaldinho?»
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