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Euro-Fieber in Polen nach UEFA-Entscheidung

Warschau (dpa) - 14.05.2009, 13:19 Uhr

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In Polen grassiert das Euro-Fieber: Nachdem Warschau, Danzig, Posen und Breslau als offizielle Spielorte der Fußball-EM 2012 bestätigt wurden, hat das Land Appetit auf mehr bekommen.

Vor allem die Tatsache, dass vom Co-Gastgeber Ukraine bisher nur die Hauptstadt Kiew den Zuschlag bekommen hat, aber den Nachweis als tauglicher Endspielort noch erbringen muss, gibt den Polen große Hoffnung. «Die UEFA hat auf Polen gesetzt, die Ukraine ist zurückgeblieben, wir haben die Chance auf das große Finale», titelte die größte polnische Boulevardzeitung «Fakt». Tatsächlich ist Warschau, wo bereits das Eröffnungsspiel stattfinden soll, als erste Alternative für das Finale vorgesehen.

So groß der Jubel in Warschau, Danzig, Posen und Breslau ist, so enttäuscht waren die Verantwortlichen in der alten Königsstadt Krakau, die vom Exekutiv-Komitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Bukarest auch als Reservestadt aus dem Rennen genommen wurde. Sie sei wütend, weil es keine faire Entscheidung gewesen sei, klagte die Chefin des Büro Euro-2012 in Krakau, Barbara Janik. Bürgermeister Jacek Majchrowski vermutete «politische Machenschaften». «Danzig hatte Tusk und wir?», fragten Krakauer Zeitungen. Doch die Krakauer werfen die Flinte noch nicht ins Korn. Sportminister Miroslaw Drzewiecki erklärte, möglich sei eine enge Kooperation Krakaus mit dem ukrainischen Kandidaten Lwiw. Krakau könnte der ukrainischen Stadt etwa sein Hotelnetz zur Verfügung stellen.

Dass Polen nur dann mehr erreichen kann, wenn die ukrainischen Partner versagen, verdirbt manchen Publizisten die Laune. «Das ist fatal, dass das UEFA-Urteil die Krakauer dazu sogar ermuntert, auf die Niederlage Lwiws zu warten», hieß es in der «Gazeta Wyborcza». «Rzeczpospolita» warnte vor Triumphstimmung in Polen und erinnerte, dass die gemeinsame EM-Organisation ursprünglich eine ukrainische Idee gewesen sei.

Die Freudewelle über das gute Abschneiden polnischer Spielorte und die damit verbundenen Entwicklungschancen für das Land bewirkte, dass andere gravierende Probleme des polnischen Sports vorerst in den Hintergrund geraten sind. «Polnischer Fußball A.D. 2009 ist nackt», schrieb kritisch «Dziennik». Nur wenn Polen bei der EM in drei Jahren einen sportlichen Erfolg erziele, werde man das Turnier für gelungen erklären, meinte der Publizist. Er erinnerte an Kanzlerin Angela Merkel, die bei WM 2006 über das Spielfeld gerannt war, um der Klinsmann-Mannschaft zur Bronze-Medaille zu gratulieren. Beim Niveau der polnischen Nationalelf sei schwer vorstellbar, dass Premier Donald Tusk oder Präsident Lech Kaczynski ähnliche Aufgabe in drei Jahren übernehmen müssten.


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