Mexiko wirft mit Eriksson-Rauswurf Rettungsanker
Mexiko-Stadt (dpa) - 03.04.2009, 11:09 Uhr
Sven Goran Eriksson bei einer Pressekonferenz im Januar in Mexico City.
Mit der Entlassung von Trainer Sven-Göran Eriksson hat Mexikos Fußball-Verband den Rettungsanker geworfen - trotz stürmischer Zeiten soll ein Untergang bereits in der WM- Qualifikation unbedingt vermieden werden. «Wir haben Herrn Eriksson mitgeteilt, dass seine Zeit bei der Nationalmannschaft abgelaufen ist», sagte Verbands-Chef Justino Compean nach dem Rauswurf des 61 Jahre alten Schweden. «Wir können Mexikos Teilnahme an der Weltmeisterschaft nicht riskieren», fügte der Präsident hinzu. Die Entlassung von Eriksson erfolgte einen Tag nach der 1:3- Niederlage der Mexikaner im WM-Qualifikationsspiel gegen Honduras, die die Chancen auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika geschmälert hatte. Der frühere englische Nationalcoach war vor zehn Monaten als Nachfolger des mexikanischen Altmeisters Hugo Sánchez zum Trainer der Azteken-Elf berufen worden, um diese zur WM nach Südafrika zu führen. Noch hat Mexiko - immerhin bei 13 von 18 WM-Endrunden dabei - als Tabellen-Vierter der Nord-Mittelamerika-Zone die Chancen nicht verspielt, doch nur die ersten Drei sind direkt für Südafrika qualifiziert.
Eriksson zeigte sich zwar «frustriert von den Ergebnissen», der Schwede kennt aber das Geschäft und konnte gut verstehen, dass die Fußball-Chefs mit ihrer Geduld am Ende waren. Der Nachfolger Erikssons, der nur vier der bisherigen neun Qualifikations-Partien gewinnen konnte, muss vor allem etwas gegen die eklatante Auswärtsschwäche tun: die letzten fünf Spiele auf fremdem Terrain gingen allesamt verloren. Als Nachfolgekandidaten sind zwei Mexikaner im Gespräch: Javier Aguirre (früher Trainer bei Atletico Madrid) und José Manuel de la Torre, mit Toluca im Vorjahr der Liga-Champion. Mexiko wird für Eriksson wohl das kürzeste Trainer-Gastspiel seiner bemerkenswerten Karriere bleiben. Bei Manchester City (2007/2008), nächster HSV-Gegner im UEFA-Pokal, hatte der eigenwillige Schwede ein Jahr und damit rund zwei Monate länger als in Mexiko durchgehalten. Mit 21 Titeln ist und bleibt er einer der erfolgreichsten Fußballtrainer. 2001 hatte der Skandinavier eine neue Ära begründet: Als erster Ausländer wurde er Trainer der englischen Nationalmannschaft. 67 Länderspiele und 40 Siege von 2001 bis 2006 sprachen zwar für den coolen Schweden, doch die Bilanz bei den großen Turnieren fiel ernüchternd aus: Sowohl bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 als auch bei der EM 2004 scheiterten die «Three Lions» bereits im Viertelfinale.
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