Maradona musste in Bolivien eine herbe Pleite einstecken.
Diego Maradonas traumhafter Trainer-Höhenflug wurde in der «Höhenhölle» von La Paz schmerzhaft gestoppt. Der einstige «Goldjunge» musste mit ansehen, wie seine Argentinier in der Fußball-WM-Qualifikation bei Bolivien mit 1:6 (1:3) demontiert wurden.
«Jedes Gegentor war wie ein Dolchstoß ins Herz», sagte Maradona nach der Blamage. Die Zeitung «Clarin» sprach von einer «historischen Tracht Prügel». Nach dem 12. von insgesamt 18 Spieltagen fielen die «Gauchos» auf den 4. Platz zurück, der das letzte Ticket für die WM bedeuten würde. Erzrivale Brasilien gewann zu allem Übel daheim gegen Peru mit 3:0 (2:0) und zog ebenso wie Chile nach einem 0:0 gegen Uruguay vorbei.
In der 3600 Meter hoch gelegenen bolivianischen Metropole La Paz mussten die Argentinier am Ende noch froh sein, nur ein «Sechserpack» mitzunehmen. Der Gegner spielte wie aufgedreht. Die argentinische Abwehr um den diesmal sehr schwachen Bayern-Profi Martín Demichelis schien wie hypnotisiert. Und vorn lief bei den Stars Lionel Messi und Carlos Tevez gar nichts zusammen. «Die Bolivianer haben zum Glück in der zweiten Hälfte den Fuß vom Gaspedal genommen», sagte ein argentinischer TV-Kommentator. Die Tore der Hausherren schossen vor 40 000 Zuschauern Marcelo Martins (11. Minute), Joaquín Botero (33. per Elfmeter, 54. und 65.), Alex da Rosa (45.) und Didi Torrico (87.); für die Gäste traf Luis González (24.).
Ein ähnliches Debakel hatten die Argentinier bei der WM-Quali 1993 daheim gegen Kolumbien (0:5) erlitten. Damals galt der Gegner aber als eines der besten Teams der Welt. «Bolivien hat bestenfalls C-Klasse-Format», schrieb «Clarín» zu Recht. Trotz des Kantersieges sind die Bolivianer mit 12 Punkten weiter Tabellenvorletzter.
Paraguay schaffte durch ein Tor von Edgar Benítez in der 90. Minute ein glückliches 1:1 bei Ecuador (Christian Noboa in der 63.) und bleibt mit 24 Punkten Leader. Mit einem frühen Doppelschlag von Luis Fabiano (17. und 23.) und einem Tor von Felipe Melo (64.) hatte Brasilien gegen Schlusslicht Peru keine Probleme. Die «Seleção» hat 21 Punkten auf dem Konto und ist Zweite vor Chile (20), Argentinien (19) und Uruguay (17) sowie Kolumbien und Ecuador (je 14).
Der brasilianische Trainer Carlos Dunga, dessen Kopf viele Fans nach der miserablen Vorstellung beim 1:1 in Ecuador gefordert hatten, kann wieder ruhiger schlafen. «Wenn wir weiter zu Hause gewinnen und auswärts unentschieden spielen, sind wir in Südafrika dabei», versprach er, obwohl Medien und Fans weiter das traditionelle «Jogo Bonito», das schöne Spiel vermissen. In Bolivien machten Fans derweil die Nacht zum Tage. «Wir haben in der Höhe hoch gewonnen», jubelte Staatspräsident Evo Morales.
In Argentinien fängt unterdessen nicht nur wegen des herannahenden Winters das große das Zittern an. Auf der Straße und in den Cafes von Buenos Aires wurde am Donnerstag offen diskutiert, ob sich die Blamage von 1970 wiederholen kann, als der Doppelweltmeister zum letzten Mal eine WM-Endrunde verpasste. Maradona, der als Nationaltrainer drei Siege eingefahren hatte und nach dem 4:0 über Venezuela seine Schützlinge in höchsten Tönen gelobt hatte, backt nun kleinere Brötchen. «Wir müssen bei Null anfangen», sagte er nach dem Bolivien-Spiel - die Schlappe konnte er nicht erklären.