Beckham: Ehre in England, Ärger in den USA
London (dpa) - 12.02.2009, 13:01 Uhr
Englands Superstar David Beckham beim Spiel gegen Spanien.
In England wird David Beckham gehuldigt, in den USA geht er den Funktionären mit seinem Wechseltheater langsam auf die Nerven: Kaum hatte der Superstar bei Englands ernüchterndem 0:2 gegen Europameister Spanien seinen 108. Einsatz im Dress der «Three Lions» absolviert und damit den Feldspieler-Rekord von Bobby Moore, dem Kapitän der siegreichen WM-Elf von 1966, eingestellt, bekam er von der Major League Soccer (MLS) eine Frist gesetzt. Bis Freitag will die US-Profiliga geklärt haben, ob der Gastspieler des AC Mailand wie vertraglich vereinbart am 9. März zu seinem Arbeitgeber Los Angeles Galaxy zurückkehrt oder nicht. «Es war ein sehr bewegender Moment für mich», gab Beckham nach seinem historischen 45-Minuten-Einsatz in Sevilla zu. Torwart-Legende Peter Shilton hält mit 125 Länderspielen weiter die Bestmarke, aber «Becks» ist in aller Munde. Nach seiner Einwechslung zur Halbzeit unterstrich er mit ruhenden Bällen und ein paar langen Pässen seine Ambitionen, auch bei der WM 2010 in Südafrika noch dabei zu sein. «Ich hoffe, dass ich weiter für mein Land spiele», so der Weltstar, der sich wegen Meckern die einzige gelbe Karte der Partie einfing. Die Demütigung durch die spielstarken Spanier konnte aber auch er nicht verhindern. EM-Torschützenkönig David Villa (Valencia/32.) und Fernando Llorente (Atletico Bilbao/82.) bescherten den Iberern das 29. Spiel in Folge ohne Niederlage.
Während sich Englands Nationaltrainer Fabio Capello trotz der Niederlage «zufrieden» zeigte («Wir haben eine Menge gelernt und wissen nun, was wir tun müssen»), sah Englands Presse das 0:2 als «Realitäts-Check» und Weckruf. «Die Spanier nahmen den Glanz von Beckhams Rekord und unterstrichen, wie weit Capello noch gehen muss, um es mit den Besten der Welt aufzunehmen», urteilte der «Daily Telegraph». «Nur die England-Fans, denen es vor einer David-Beckham- Gala grauste, werden zufrieden sein», schrieb der «Guardian». «Es ist einfach ein tolles Gefühl, denn man weiß nie, ob man nochmal nominiert wird oder nicht», sagte Beckham. Nach Englands enttäuschendem Viertelfinal-Aus bei der WM 2006 war er als Kapitän zurückgetreten und hatte danach nicht immer zu Englands Auswahl gehört. 1996 hatte er als 21-Jähriger gegen Moldawien sein Länderspiel-Debüt gegeben. «Der AC Mailand tut mir sehr gut. Ich bin 100 Prozent fitter als noch vor ein paar Monaten»», gestand der Pop- Kicker und kritisierte damit indirekt auch die Trainingsmethoden und das Spielniveau in der MLS. |
Die verbale Retourkutsche aus den USA ließ nicht lange auf sich warten. Der Fall dauere schon viel zu lange an, und es gebe keinen Grund, ihn weiter in die Länge zu ziehen, wetterte MLS-Boss Don Garber und kündigte an: «Bis Freitag ist klar, ob er zu uns zurückkommt oder wechselt. Wenn bis dahin keine Entscheidung getroffen ist, werde ich einen Transfer nicht erlauben.» Beckham hat mit der MLS noch einen Vertrag bis 2011. Ursprünglich sollte er nach dem Ende des Leihgeschäfts pünktlich zum Start der neuen MLS-Saison zu seinem kalifornischen Club zurückkehren. Nach seinen guten Auftritten im Milan-Trikot wollen die Italiener den 33- Jährigen jedoch länger als vorgesehen behalten. «Für unser Team und für die Liga ist es das Beste, wenn so schnell wie möglich eine Entscheidung fällt», meinte Galaxy-Trainer Bruce Arena.
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