Länderspiel Brasilien gegen Italien mit Zündstoff
Rio de Janeiro (dpa) - 09.02.2009, 14:57 Uhr
Die Bayernspieler Luca Toni (l) und Lucio (m) spielen bei einem Länderspiel gegeneinander.
So viel Zündstoff birgt ein Fußball-Freundschaftsspiel selten: Beim 13. Duell zwischen Brasilien und Italien geht es im Emirates Stadium in London um viel mehr als um sportliche Ehre. Die Begegnung wird nämlich von einer Affäre zwischen den Regierungen beider Länder überschattet. Brasiliens Coach Dunga muss derweil weiter um seinen Posten zittern. Seine Zukunft hängt wohl auch stark vom Ausgang des direkten «Bruder- Duells» zwischen den Bayern-München-Profis Luca Toni und Lúcio ab. Dass es in London um sehr viel geht, verrät Lúcio unumwunden: «Es wird nicht leicht, Luca zu decken. Ich will ihm nichts Böses antun, aber ich werde ihn auch nicht mit Samthandschuhen anfassen», sagte der eisenharte Verteidiger zum pikanten Duell am Montag gegenüber italienischen Medien. Lúcio will Toni «knebeln» und sich auch empfehlen, denn vor allem in Brasilien macht er nie einen Hehl daraus, dass er gern noch nach Italien oder Spanien wechseln würde.
Ein kampfbetontes Spiel erwartet auch Dunga. «Zu meiner Zeit war die Rivalität unter den Spielern auch außerhalb des Spielfeldes zu spüren. Die Globalisierung hat das beendet, aber auf dem Rasen geht es weiter zur Sache», so der Ex-Stuttgarter. Der Druck ist immens für ihn. Ex-Weltmeister Tostao, Arzt und einflussreicher Kommentator, fordert sogar: «Einfach gewinnen ist nicht genug. Wir Brasilianer haben das Recht und die Pflicht, von einem großen Team zu träumen». Dungas Amtskollege Marcello Lippi, der in seiner Karriere nie auf Brasilianer traf, offenbart, er werde beim Spiel «große Emotionen» erleben. Emotionen hat der Knüller bereits auf höchster politischer Ebene geweckt. Weil Brasilien den in Italien verurteilten früheren Terroristen Cesare Battisti nicht ausliefern will, forderten Politiker in Italien sogar die Absage der Partie. Der Streitereien hinter den Kulissen damit nicht genug: Brasilien und Italien liefern sich zur Zeit ein heftiges Tauziehen um Amauri, den in Brasilien geborene Goalgetter von Juventus, der bald beide Pässe haben wird. |