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Lato neuer Fußball-Präsident in Polen

Warschau (dpa) - 30.10.2008, 19:34 Uhr

Grzegorz Lato ist der neue Präsident des polnischen Fußball-Verbandes.
Grzegorz Lato ist der neue Präsident des polnischen Fußball-Verbandes.

Auf den Fußballplätzen der Welt waren Grzegorz Lato und Zbigniew Boniek Kollegen. Bei der WM 1982 in Spanien holten sie Platz drei für Polen. 26 Jahre später kämpften die «alten Kumpel» nun als als Rivalen um den Chefsessel des nationalen Fußball-Verbandes PZPN.

Durchgesetzt hat sich in Warschau der WM-Torschützenkönig von 1974 in Deutschland, Lato. Mit 57 Stimmen wählten ihn die Delegierten zum PZPN-Präsidenten. Er werde alles unternehmen, damit die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine zum «gemeinsamen Erfolg» werde, sagte Lato. Er wolle die Ehre des angeschlagenen Verbandes wiederherstellen.

«Im Verband muss endlich Eintracht herrschen», sagte Latos Vorgänger Michal Listkiewicz. Innere Verbands-Konflikte seien «Gift» angesichts der Vorbereitungen auf den EURO 2012. «Das wird die beste EM in der Geschichte sein, wenn wir sie nicht selbst kaputt machen», warnte Listkiewicz. Er weiß, wovon er spricht: In den nächsten vier Jahren soll er als Beauftragter der Europäischen Fußball-Union (UEFA) die EM-Vorbereitungen beaufsichtigen.

Dem unterlegenen Boniek half auch die starke Unterstützung des ukrainischen Sportfunktionärs Georgi Surkis nicht. Wählt den Kandidaten des Westens, hatte Surkis an die Delegierten appelliert und auf Bonieks Verbindungen zu westeuropäischen Clubs angespielt. Mit Juventus Turin hatte Boniek, der noch immer in Rom und Warschau lebt, 1985 den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Doch Bonieks Reformpläne waren zu radikal. Die regionalen Sportfunktionäre fürchteten «neue Zeiten». 19 Stimmen seien kein schlechtes Ergebnis, meinte Boniek, der als Vizepräsident nicht zur Verfügung steht.

Der polnische Fußball leidet seit Jahren unter Korruption, Gewalt und Rassismus in den Stadien sowie Finanzskandalen. Im Zuge der seit 2005 geführten Ermittlungen wurden schon mehr als 160 Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Sportfunktionäre festgenommen. Seit vergangenem Dezember müssen sich 17 Angeklagte vor Gericht verantworten. In der vergangenen Woche wurde ein Erstligaspiel unterbrochen, weil Fans den Schiedsrichter am Kopf verletzten. Wegen unbezahlter Steuern wurden die Bankkonten des Verbandes gesperrt.

Angesichts dieser Probleme sieht Latos Programm zur Sanierung des Fußballs eher bescheiden aus. Ziel seien «Öffnung und Entwicklung», heißt es in Latos Thesenpapier. Er wolle EU-Mittel besser nutzen, Medienpolitik verbessern und Jugendsport fördern. Unter den Journalisten gilt Lato allerdings als «Beton». Ein Hardliner, der eigentlich alles beim Alten belassen möchte.


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