Überraschungself Hull nimmt Chelsea ins Visier
London (dpa) - 28.10.2008, 11:49 Uhr
Die Spieler von Hull City haben derzeit alllen Grund zum Jubeln.
In England sind die «Tiger» los: Das kleine Hull City, diese Saison zum ersten Mal in der 104 Jahre alten Vereinsgeschichte erstklassig, galt als Abstiegskandidat Nummer Eins der Fußball-Premier-League und Kanonenfutter für die Spitzenclubs. Doch jetzt mischt City, gewissermaßen Englands Hoffenheim, die reichste Liga der Welt auf. Vor dem zehnten Spieltag rangiert der krasse Außenseiter punktgleich mit Michael Ballacks Millionentruppe FC Chelsea auf Rang drei. Nur dank des besseren Torverhältnisses halten die edlen «Blues» aus London die Provinzlinge im schwarz-gelb gestreiften Dress auf Distanz. Der Besuch von Chelsea, bei denen der DFB-Kapitän nach seiner Fuß-Operation noch mindestens bis Mitte nächster Woche fehlt, in Hulls «KC-Stadion» wird überraschend zur knisternden Angelegenheit. «Tigers»-Trainer Phil Brown hat nach dem «Traumstart» alle Mühe, seine Überraschungself auf dem Boden zu halten. «Nach dem nächsten Match haben wir in jedem Fall 20 Punkte aus zehn Spielen», rechnet der 49-jährige Coach vor, dessen Cheftrainer-Karriere vor seinem Amtsantritt bei Hull Ende 2006 lediglich aus sieben unglücklichen Monaten mit Derby County bestand, «das ist Champions-League-Form. Aber es ist nur Form, die kann vergehen.»
Für Brown hat Hulls Höhenflug, der im Gegensatz zum Bundesligisten 1899 Hoffenheim weder generalstabsmäßig geplant noch mit großem Geld bewerkstelligt wurde, vor allem mit dem «Stolz-Faktor» zu tun. «Wir haben bewiesen, dass wir in Stadien wie Newcastles St. James' Park oder Arsenals Emirates auftreten und uns nicht nur behaupten, sondern sogar gewinnen können», so der leidenschaftliche Coach, der am Spielfeldrand ebensoviel in Bewegung ist wie seine Spieler auf dem Platz. Dabei ist Hulls Aufstieg nicht weniger atemberaubend als der von Hoffenheim. Vor zehn Jahren waren die «Tigers» «Schlusslicht» in Englands fünfter Fußballklasse. Noch vor acht Jahren klopfte der Gerichtsvollzieher mit einem Pfändungsbrief ans alte «Boothferry Park»-Stadion. Doch danach legte Hull den drittschnellsten Durchmarsch der englischen Fußballgeschichte hin. |