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Machtkampf um Polens Fußballverband dauert an

Warschau (dpa) - 01.10.2008, 21:11 Uhr

Zbigniew Kozminski (m), Zdzisaw Krecina (l) und Jerzy Engel vom PZPN bei einer Pressekonferenz.
Zbigniew Kozminski (m), Zdzisaw Krecina (l) und Jerzy Engel vom PZPN bei einer Pressekonferenz.

Polens Fußball-Legenden Zbigniew Boniek und Grzegorz Lato wollen ihren in der Heimat durch zahlreiche Skandale erschütterten Sport aus der Krise ziehen.

Die beiden ehemaligen Nationalspieler bewerben sich um das Amt des Vorsitzenden des Polnischen Fußball-Verbandes PZPN, teilte Verbandssprecher Zbigniew Kozminski in Warschau mit. Auf der Kandidatenliste stehen ferner zwei Fußball-Funktionäre: Tomasz Jagodzinski und Zdzislaw Krecina. Der amtierende PZPN-Chef Michal Listkiewicz bewirbt sich nicht um Wiederwahl. Der erfahrene Sportfunktionär soll sich aber weiterhin um Polens Vorbereitungen auf EURO 2012 kümmern.

Der polnische Verband halte, wie Kozminski betonte, an dem für den 30. Oktober angesetzten Wahltermin fest. Im EM-Gastgeberland geht der Machtkampf um den nationalen Fußball-Verband damit in die nächste Runde. Der vom Gericht eingesetzte kommissarische Verwalter des Verbandes, Robert Zawlocki, verwahrte sich gegen die Einmischung internationaler Fußballverbände in Polen. Er sei auf der Grundlage des polnischen Gesetzes einberufen worden, daher seien FIFA und UEFA nicht berechtigt, über die Legalität seiner Wahl und seines Handelns zu entscheiden, teilte Zawlocki in einer schriftlichen Erklärung mit. Die beiden Dachverbände hatten am Vortag die Suspendierung der PZPN- Spitze nicht anerkannt und Polen mit Konsequenzen gedroht.

Nach einem Bericht der polnischen Nachrichtenagentur PAP drohte die FIFA den Polen inzwischen mit der Absage der beiden nächsten WM-Qualifikationsspiele, falls die Entscheidung über die Einsetzung eines kommissarischen Verwalters an der Verbandsspitze bis zum 6. Oktober nicht aufgehoben werde. Zugleich forderte Weltverbandschef Joseph Blatter die Wiedereinsetzung der vor zwei Tagen suspendierten Verbandsführung. Dies gehe aus einem Brief des FIFA-Präsidenten hervor, der am Nachmittag des 1. Oktober in Warschau einging. Über das Schreiben wurde auch Ministerpräsident Donald Tusk informiert. Von einer Absage betroffen wären die Begegnungen gegen Tschechien und die Slowakei am 11. beziehungsweise 15. Oktober.

Laut Zawlocki bedienten sich einige PZPN-Vorstandsmitglieder der internationalen Verbände, um «eigene Ämter zu behalten.» Sie stellten damit ihre persönlichen Interesse über das Wohl des polnischen Fußballs, so der Verwalter. Das Schlichtungsgericht des Polnischen Olympischen Komitees (PKOL) hatte am 29. Septeember auf Antrag des Sportministers Miroslaw Drzewiecki die PZPN-Verbandsführung um Präsident Michal Listkiewicz überraschend suspendiert und den kommissarischen Verwalter eingesetzt. Als Begründung wurden «zahlreiche Unregelmäßigkeiten», darunter Unterlassung wirksamer Maßnahmen gegen die Korruption angegeben. Drzewiecki will demnächst in die Schweiz reisen, um dort seinen Standpunkt zu erläutern.

Wie die UEFA und FIFA erklärten, würde als Konsequenz jedes nicht vom bisherigen Präsidium abgezeichnete Schriftstück als «irrelevant» betrachtet. Man werde das Internationale Olympische Komitee (IOC) anrufen, um die «Verletzung der Autonomie von Sportverbänden» zu bewerten. Die PZPN-Führung sieht in der Intervention der internationalen Fußballverbände ein «klares Zeichen» der Unterstützung und setzt die Arbeit trotz der Suspendierung fort.


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