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Mayer-Vorfelder: Keine EM-Spiele in Deutschland

Warschau (dpa) - 24.09.2008, 18:05 Uhr

Gerhard Mayer-Vorfelder bei einer Pressekonferenz.
Gerhard Mayer-Vorfelder bei einer Pressekonferenz.

Großes Zittern in Polen und der Ukraine, klare Absage aus Deutschland: Kurz vor der endgültigen Entscheidung über den Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft nehmen die Spekulationen kein Ende.

Nur eins zeichnet sich immer deutlicher ab. Deutschland wird nicht als Notnagel für das Turnier 2012 einspringen. Gerhard Mayer-Vorfelder hat Gerüchte über eine Co-Gastgeberrolle Deutschlands nochmals zurückgewiesen. Der UEFA-Vizepräsident stellte zudem klar, dass es einen Ausschluss von nur einem Gastgeber nicht geben werde. «Sie haben sich zusammen beworben, also müssen die Kriterien auch zusammen gelten.» Somit sei eine Co-Gastgeber-Lösung mit Deutschland und Polen nicht möglich.

«Es ist nicht so, dass es einen Plan B gibt. Ich weiß, dass das beim DFB kein Thema ist», sagte das Mitglied des UEFA- Exekutivkomitees der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Gremium um den deutschen Spitzenfunktionär entscheidet bei seiner Sitzung in Bordeaux über eine mögliche Rücknahme des Gastgeber-Rechts für Polen und die Ukraine wegen der dortigen Planungsschwierigkeiten. Zuletzt waren Gerüchte über mögliche EM-Spiele in Leipzig und Berlin aufgekommen, für die es jedoch keine Quelle gab.

Ungeachtet aller Unkenrufe aus dem Ausland geben sich Polen und die Ukraine demonstrativ optimistisch. Angst habe er nicht, es gebe dafür überhaupt keinen Grund, sagte der Chef des Polnischen Fußballverbandes (PZPN), Michal Listkiewicz, vor dem UEFA-Treffen. Beide Länder würden gute Noten bekommen, versicherte Listkiewicz und berief sich dabei auf den jüngsten, noch unveröffentlichten UEFA- Bericht. Für ein «gutes Zeichen» hält der Sportfunktionär die persönliche Einladung für ihn nach Bordeaux. Er wäre nicht eingeladen worden, wenn dort Polen einen Korb bekommen sollte, so Listkiewicz.

Gegenüber «Zeit online» räumte er allerdings ein, dass sich vor allem das Verkehrsproblem in vier Jahren kaum noch beheben lasse. «Realistisch betrachtet werden wir bis 2012 keine guten Straßen haben», gab Listkiewicz zu und ergänzte: «Wenn die EM erst 2016 stattfinden würde, hätten wir überhaupt kein Problem.» Zudem stellte der Funktionär fest: «Wenn es jetzt nicht gut läuft, und die UEFA einen anderen Vorschlag hat, dann wäre es in Ordnung.»


Zweifel sind offenbar angebracht. UEFA-Chef Michel Platini soll von seiner Inspektionsreise durch die osteuropäischen Länder im Juli «erschrocken» zurückgekehrt sein, berichtete die polnische Zeitung «Gazeta Wyborcza». Es gebe noch viel zu tun, vier Jahre seien eine «sehr kurze Zeit», warnte Platini die ukrainischen Partner. In der Vorwoche bei einem Treffen mit Polens Regierungschef Donald Tusk versprach Präsident Viktor Juschtschenko: «Alle Objekte werden rechtzeitig fertiggestellt». Längst ist die EM-Frage zu einem Politikum auf höchster Ebene geworden.

Gerüchte, wonach für die Ukraine als Mitausrichter Deutschland oder Italien einspringen sollte, dementiert Warschau immer wieder mit Nachdruck. Polen und die Ukraine seien zwei Länder, aber ein Team, sagte Tusk. Es sei weder ein polnisches, noch ein ukrainisches, sondern ein polnisch-ukrainisches Projekt, betonte Polens Ministerpräsident beim Kiew-Besuch vor einer Woche. Warschau hält die gemeinsam organisierte EM als geeignetes Mittel, seinen strategischen Partner im Osten stärker an den Westen zu binden.

Als Achillesferse gelten in beiden Nachbarstaaten Flughäfen, Straßennetz und Hotels. In der Ukraine steht bislang nur knapp ein Fünftel der insgesamt benötigten Hotelbetten zur Verfügung. Auch die Trainingscamps für Mannschaften sind noch rar. Um die Vorbereitungen zu beschleunigen, will jetzt der polnische Sportminister Miroslaw Drzewiecki chinesische Baufirmen ins Land holen. Weil sie sich bei den Olympischen Spielen in China bewährt hätten, sollten sie jetzt Polen vor der EM in Schwung bringen, so der Sportminister.

Das Nationale Stadion in Warschau, wo das Eröffnungsspiel des Finalturniers stattfinden soll, gleicht einem Trümmerhaufen. Noch schlimmer ist die Lage in Kiew, dem Endspielort. Die Arbeiten mussten um Monate verschoben werden, weil man sich nicht auf den Abriss eines störenden Geschäftszentrums auf dem Vorplatz einigen konnte. Probleme gibt es weiterhin mit der westukrainischen Stadt Lwiw. Im einstigen Lemberg geht bislang fast gar nichts voran. Immerhin ist das erste ukrainische EM-Stadion in Dnepropetrowsk bereits einsatzbereit.

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