Madrid (dpa) - 07.08.2008, 10:40 Uhr
Spaniens Top-Leistungen dieses Jahres mit dem EM-Titelgewinn im Fußball, Rafael Nadals bevorstehendem Aufstieg zur Nummer 1 der Tennis-Welt sowie Carlos Sastres Tour de France-Sieg werden von großen Finanzproblemen zahlreicher Sportvereine überschattet.
Die in den vergangenen Monaten immer größer gewordene Krise in Spaniens Bausektor trifft nun auch den Spitzensport. Besonders betroffen sind der Fußball und Basketball.
Seit drei Jahrzehnten begleitet der Immobiliensektor als Sponsor Clubs der spanischen Fußball-Liga. Wegen seines hohen Stellenwerts in der Gesellschaft bot Spaniens Volkssport Nr. 1 die ideale Bühne, um von der grauen Anonymität des Unternehmers zu landesweiter Bekanntheit als Vereinspräsident zu gelangen. Josep Lluís Núñez (FC Barcelona), Florentino Pérez (Real Madrid) und der 2004 verstorbene Jesús Gil y Gil (Atlético Madrid) bildeten die erste Generation der Baulöwen im Profifußball. Dank ständiger Medienpräsenz ihrer Vereine wurden die Präsidenten schnell zu einem Bestandteil der High Society.
Mit der Zeit bekamen auch kleinere Clubs ihren Teil vom Kuchen ab. Und es sind vor allem diese Vereine, die nun vor großen finanziellen Problemen stehen. Im Gegensatz zu früher steckt die Bauwirtschaft in Spanien in der Krise und als Konsequenz wird beim Sponsoring gespart. Aktuelles Beispiel ist Deportivo La Coruña, Spaniens Meister von 2000. Der Vertrag mit dem langjährigen Hauptsponsor Martinsa-Fadesa wurde vom Baukonzern nicht verlängert. Das Unternehmen musste wegen 5,2 Milliarden Euro Schulden Mitte Juli Insolvenz anmelden.
Auch Timo Hildebrands FC Valencia ist betroffen. Ex-Clubchef Juan Soler verstrickte den Club in Spekulationsgeschäfte und ließ einen Schuldenberg zurück. Nach den gescheiterten Verhandlungen um den Verkauf seiner Mehrheitsanteile am Club an den früheren Telefónica-Chef Juan Villalonga übernahm der bisherige «Vize» Vicente Soriano das Ruder. Doch der Verkauf des Stadiongeländes liegt seit Monaten auf Eis, der geplante Neubau der Spielstätte steht still. Um den Finanzproblemen Herr zu werden, steht der Verkauf der EM-Stars David Villa und David Silva im Raum. Dagegen sträuben sich jedoch die Fans.