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Hitzfelds neue Leichtigkeit des Seins

München (dpa) - 06.08.2008, 13:16 Uhr

Als Schweizer Nationaltrainer will Ottmar Hitzfeld die Leichtigkeit des Seins genießen.
Als Schweizer Nationaltrainer will Ottmar Hitzfeld die Leichtigkeit des Seins genießen.

Bei seiner neuen Aufgabe als Schweizer Nationaltrainer hat Ottmar Hitzfeld die Leichtigkeit des Seins entdeckt.

Sichtlich entspannt, aber akribisch wie eh und je hat er sich beim langen Marsch auf das Ziel WM 2010 zu Nachhilfestunden über den israelischen Fußball bei seinem Ex-Schüler Lothar Matthäus angemeldet. «Ich habe mir schon seine neue Nummer besorgt und versucht, ihn zu erreichen. Ich werde mich mit ihm austauschen», kündigte der frischgekürte Trainer des Jahres 2007/2008 an. Schon in einem Monat beginnt für den 59-Jährigen gegen Israel der Ausscheidungsmarathon für das Turnier in Südafrika, da können Tipps von Maccabi Netanjas Coach nicht schaden.

Nach den Strapazen bei seinem langjährigen Club FC Bayern München wirkte Hitzfeld, der seit rund vier Wochen Nachfolger «Köbi» Kuhns als Schweizer Nationalcoach ist, auf einem «Premiere»-Termin ungewohnt befreit. «Die Beanspruchung als Vereinstrainer ist viel größer als die eines Nationaltrainers. Jetzt habe ich viel mehr Zeit, um mich auf die Spiele vorzubereiten», sagte der Erfolgscoach mit Blick auf die Vorzüge seiner künftigen luxuriösen Arbeitssituation.

Der Stress der vergangenen Jahre ist vergessen. «Bei den Bayern kann man sich weniger mit sich selbst auseinandersetzen, muss oft improvisieren und schnellere Entscheidungen treffen», erinnert sich Hitzfeld, der nach 1994, 1995, 1996 und 1999 zum fünften Mal als Trainer des Jahres ausgezeichnet wurde. «Ich war nach meiner Zeit bei den Bayern gezeichnet und bin gespannt, wie Jürgen Klinsmann in ein paar Jahren aussieht», konnte sich Hitzfeld einen kleinen Seitenhieb auf den neuen Trainer des deutschen Rekordmeisters, den er mit dem Double-Gewinn verlassen hatte, nicht verkneifen.

Doch spätestens, wenn am 6. September mit dem Israel-Spiel der Kampf um das WM-Ticket beginnt, ist auch für Hitzfeld die erholsame Zeit vorbei. Dann will der neue Hoffnungsträger der Schweiz, die nach der enttäuschenden Heim-EM noch immer die Wunden leckt, auch dank Matthäus' Hilfe einen guten Qualifikationsstart hinlegen. Am 15. Oktober kommt es dann zum Duell mit den von seinem langjährigen Bundesliga-Weggefährten Otto Rehhagel trainierten Griechen.

Mannschaftsintern stehen unruhige Zeiten bevor, denn Hitzfeld hat den Konkurrenzkampf ausgerufen. Der neue Coach will die Strukturen der Ära Kuhn auflösen und zahlreiche neue Spieler berufen. Ein besonderer Stellenwert kommt weiter Marco Streller zu, den Hitzfeld zum Rücktritt vom Rücktritt bewegen konnte und an dem er trotz einer langwierigen Verletzung festhalten möchte: «Marco ist ein sehr erfahrener Spieler, einer unserer Leistungsträger. Wir brauchen ihn.» Nötig hat Hitzfeld, der von den Eidgenossen nach seiner Berufung schon als «Messias» gefeiert worden war, auch gute Nachwuchskräfte. Ansonsten könnten enttäuschte Erwartungen für ein schnelles Ende der ruhigen und rosigen Zeit des neuen «Nati»-Trainers sorgen.


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