Ballack nach Wembley-Premiere enttäuscht
London (dpa) - 25.02.2008, 11:30 Uhr
Michael Ballack in Aktion für den FC Chelsea
Nach seiner misslungenen Wembley-Premiere wollte Michael Ballack nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Behutsam im Ton, aber präzise in der Wortwahl äußerte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Kritik am Personalkarussell von Chelsea-Trainer Avram Grant. «Wenn alle fit sind, kann das Vor- und Nachteile haben mit der Rotation, das hat man gesehen. Es haben andere Spieler gespielt als in der Champions League. Wir haben eben einen großen Kader, irgendwie müssen wir es hinkriegen», sagte der enttäuschte Ballack nach dem unerwarteten 1:2 nach Verlängerung mit seinen «Blues» im englischen Ligapokal-Finale gegen Tottenham Hotspur. 88 Minuten hatte Ballack im ersten Finale des Jahres überraschend zuschauen müssen, bevor er doch noch zu seinem persönlichen Debüt in Englands neuen Fußball-Tempel kam. Dass mit Meisterschaft, Champions League und FA-Pokal drei wichtigere Titel als der Ligapokal für den FC Chelsea weiter in Reichweite liegen, wollte Ballack als Ausrede für den missratenen Auftritt der West-Londoner Startruppe nicht gelten lassen. «Wenn man im Finale ist, will man auch gewinnen. Wenn man das Stadion sieht und die Rivalität zwischen Chelsea und Tottenham, dann will man gewinnen, egal um welchen Cup es geht.»
Die englische Presse machte Grant ganz deutlich zum Sündenbock der ersten Chelsea-Finalniederlage in der Ära von Geldgeber Roman Abramowitsch. «Grant ist ein Verlierer in wichtigen Spielen», titelte «The Sun» schonungslos. Und schon wird an der grundsätzlichen Eignung des israelischen Coaches gezweifelt. «José hätte es nicht verpatzt», zog die «Daily Mail» den Vergleich zu Grants schillerndem und in allen Finalspielen erfolgreichen Vorgänger José Mourinho. Auch die seriöse Zeitung «The Times» stellte den Coach in Frage. «Diese Ergebnis sät Zweifel an der Stamford Bridge. Chelsea-Fans werden sich fragen: Kann Grant Titel gewinnen? Das war mit Mourinho nie die Frage, weil er ein Siegertyp war.» Das Sieger-Image fällt nun Spurs-Coach Juande Ramos zu, der nach nur wenigen Monaten im Amt die neun Jahre währende Pokal-Durststrecke des Traditionsclubs beendete. |