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Gordon «Banks von England» feiert 70. Geburtstag

Hamburg (dpa) - 30.12.2007, 09:39 Uhr

Gordon Banks (l) übergibt im März 2004 ein Foto mit einer berühmten Spielszene.
Gordon Banks (l) übergibt im März 2004 ein Foto mit einer berühmten Spielszene.
 
 

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Zwölf Uhr mittags in Guadalajara. Erbarmungslos brennt die Sonne vom Himmel an diesem 7. Juni 1970. Fußball-WM in Mexiko, das Gruppenspiel Brasilien gegen England läuft. Im Estadio Jalisco sehen 66 843 Zuschauer den nächsten Angriff der zauberhaften «Seleção», die 14 Tage später Weltmeister wird.

Jairzinho spaziert auf Rechtsaußen durch und flankt punktgenau auf Pele. Die nächsten drei Sekunden zählen zu den spektakulärsten Szenen im Weltfußball: Peles schulbuchmäßiger Kopfball aus acht Metern scheint unhaltbar, «Tor!» schreit er schon, die brasilianischen Fans jubeln mit. Zumal Englands Keeper auf dem falschen Fuß erwischt wird - doch dann kommt Gordon Banks geflogen: Er dreht sich in der Luft und lenkt den Ball kurz vor der Linie mit der rechten Faust noch über die Latte.

«Was für eine Rettungstat!» Die Stimme des englischen Fernsehreporters überschlägt sich fast, und auch Banks wird sich wohl immer an seine größte Parade erinnern. Am 30. Dezember feiert die Torwart-Legende ihren 70. Geburtstag.

 

Bei der WM in Mexiko scheidet England in der Hitzeschlacht von Leon im Viertelfinale aus. Die «Rache Montezumas» stoppt Stammkeeper Banks, der bei der WM-Revanche gegen Angstgegner Deutschland (2:3 n.V.) wegen einer Darminfektion tatenlos zusehen muss, wie der Titelverteidiger einen 2:0-Vorsprung noch verspielt.

Seinen größten sportlichen Erfolg verdankt Banks indirekt auch den Deutschen - und drei Toren von Geoff Hurst: England gewinnt das WM- Finale am 30. Juli 1966 mit 4:2 gegen die DFB-Auswahl um Franz Beckenbauer und Uwe Seeler. «The Banks of England» steht sicher wie immer. Auch seine deutsche Ehefrau Ursula konnte die Nummer 1 der Engländer an diesem denkwürdigen Tag nicht aus dem Konzept bringen.


«Ich kam nicht als guter Torwart auf die Welt. Ich wurde das durch harte Arbeit», sagt Banks, der aus einfachen Verhältnissen stammt, in die Maurerlehre geht und nur zufällig Fußballer wird. Als er im Oktober 1953 auf dem Heimweg von der Arbeit an einem Sportplatz vorbeikommt und dem Team der Stahlwerke Sheffield gerade ein Torwart fehlt, stellt sich der 15-Jährige zwischen die Pfosten - der Beginn einer wunderbaren Karriere. Sein großes Vorbild aus Kindertagen ist der 14 Jahre ältere deutsche Torwart Bert Trautmann, der damals für Manchester City spielt. «Oh Mann, habe ich den bewundert», gesteht Banks, «ich habe alles zu kopieren versucht, was er gemacht hat. Ball angeln und ganz schnell wieder abspielen.»

73 Länderspiele bestreitet der Mann mit dem gelben Sweater als leuchtendes Markenzeichen zwischen 1963 und 1972. Nur 57 Mal muss er den Ball aus dem Netz holen, in 35 Spielen hält er seinen Kasten sauber. 23 Mal in Serie bleibt Banks zwischen 1964 und 1967 mit den «Three Lions» unbesiegt. Zwei Jahre nach dem WM-Titel reicht es für England und Banks bei der Europameisterschaft nur zum dritten Platz.

487 Erstligaspiele in England für Chesterfield (1955 bis 1959), Leicester City (1959/67) und Stoke City (1967/73) gehen auf die Kappe von «Fernandel», der seine Ähnlichkeit mit dem beliebten französischen Mimen nicht verleugnen kann. Meister wird er nie, gewinnt aber 1964 und 1972 den Liga-Pokal. Hinter dem legendären Lew Jaschin wird Banks zum zweitbesten Torhüter des 20. Jahrhunderts und 1972 auf der Insel zum «Fußballer des Jahres» gekürt.

Überhaupt ist 1972 ein schicksalhaftes Jahr für den Vater von drei Kindern: Am 27. Mai geht mit dem 1:0-Sieg in Schottland seine große Länderspiel-Karriere zu Ende. Der 22. Oktober ist der dunkelste Tag seines Lebens. Bei der Rückfahrt von einem Arzttermin verliert Banks die Kontrolle über sein Auto und landet im Straßengraben. Als er aus der Bewusstlosigkeit erwacht, erfährt er die bittere Wahrheit: Auf dem rechten Auge ist Englands Torwart-Held blind. Er legt eine vierjährige Fußball-Pause ein und beendet seine Karriere 1978 bei den Fort Lauderdale Strikers in den USA.

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