Lucarelli soll wankenden WM-Champion retten
Rom/Kiew (dpa) - 11.09.2007, 13:44 Uhr
Cristiano Lucarelli bei seiner Teampräsentation im Juli bei Schachtjor Donetzk.
Ein ausgewanderter «Kicker-Kommunist» soll Italien in der Ukraine wieder auf EM-Kurs bringen und Trainer Roberto Donadoni den Job retten: Der angeschlagene Fußball-Weltmeister hofft in Kiew auf Christiano Lucarelli. Nachdem Bayern-Star Luca Toni ausfällt, könnte Italiens «Roter Stürmer» Donadonis Überraschungs- Trumpf im Schicksalsspiel am Mittwochabend werden. «Ich bin heiß auf dieses Spiel», meldete sich der seit Juli bei Schachtjor Donetzk engagierte Lucarelli als Retter zur Stelle. Nach dem 0:0 in der Neuauflage des WM-Finals gegen Frankreich steht die «Squadra Azzurra» unter großem Erfolgsdruck. Von Schottland (18) überholt, liegt Italien (17) hinter Frankreich (19) nur noch auf Platz drei in der Qualifikations-Gruppe B. Deshalb muss bei Verfolger Ukraine (13) ein Sieg her. Und den muss Donadoni ausgerechnet mit seinem ausgedünnten Kader schaffen. Neben Toni fällt als weiterer Leistungsträger Gennaro Gattuso (gesperrt) definitiv aus. Auch der Einsatz von Regisseur Andrea Pirlo (Wadenprellung) ist noch fraglich.
«Wir können hier dennoch siegen», schwor der 44-jährige Donadoni seine Truppe in der Ukraine auf Sieg ein. Taktische Spielchen schloss er aus, Italien spielt voll auf Sieg. Nachdem die «Azzurri» gegen Frankreich erstmals unter Donadonis Regie ohne Torerfolg geblieben sind, fragen sich die «Tifosi» aber, wer die Tore machen soll. Neben Lucarelli wäre Vincenzo Iaquinta die Alternative als Ein-Mann-Spitze. Die Fans aber erwarten Lucarelli, den Volkshelden von Livorno. Nachdem der 31-Jährige sein Versprechen wahrgemacht und die Hälfte seines Jahresgehalts von vier Millionen Euro in eine Lokalzeitung in der Toskana-Hafenstadt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze investiert hat, sind die «Verräter»-Rufe verhallt. Nun lieben sie ihn wieder, ihren «Linksaußen», der sich Livornos Vereinsemblem auf den Arm tätowieren ließ und dessen Biografie «Behaltet Eure Millionen» zum Kultbuch der linken Jugend wurde. Mittlerweile nimmt er die Millionen zwar gerne an, aber auch, um damit zu helfen. «So sehr wie über die Einstellung von zehn arbeitslosen Redakteuren in unserer Zeitung, habe ich mich selten in meinen Leben gefreut», sagte Lucarelli. In Livorno half er dem Lokalblatt, in Kiew braucht der viermalige Weltmeister nun seine Hilfe - als Torjäger und Berater. Schließlich kennt er die Gegner besser als jeder andere: «Vor allem auf den 20- jährigen Stürmer Gladky müssen wir aufpassen, er ist der neue Andrej Schewtschenko», warnte Lucarelli seine Teamkollegen. Außerdem werde die Ukraine nach dem mageren 1:1 in Georgien am Samstag Alles oder Nichts spielen. «Das ist eure letzte Chance, also nutzt sie», hat Trainer Oleg Blochin seiner Mannschaft eingetrichtert. Wie Donadoni steht auch der 54-jährige Blochin mit dem Rücken zur Wand.
|