Dabei hatte die Partie für Real mit einem Schock begonnen. Nach 58 Sekunden nutzte der Argentinier Sergio Agüero eine Unachtsamkeit der Platzherren zum Führungstreffer für Atlético. Die schlimmsten Vorzeichen schienen sich zu bewahrheiten. Real hatte in der Vorbereitung sechs von zehn Testspielen verloren, in der Presse wurde bereits über eine Ablösung von Schuster vor Weihnachten spekuliert. Der deutsche Trainer gab sich nach dem Sieg gelassen: «Bei Real sind die Anforderungen ungemein hoch. Da braucht man ein breites Kreuz.» Das Schuster-Team fand trotz des frühen Rückstands rasch ins Spiel. Ausgerechnet Kapitän Raúl (15.), der der Jugend von Atlético entstammt und zuletzt von vielen schon abgeschrieben war, erzielte per Kopfball den Ausgleich. «Wir hatten keinen schwachen Punkt in unserer Elf», freute sich Schuster und witzelte über Spekulationen, Real wolle den Brasilianer Daniel Alves (FC Sevilla) verpflichten, dessen Wechsel zum FC Chelsea gescheitert ist. «Ich fände das gut. Aber wer den Real-Präsidenten darauf anspricht, den bringt er um - nach den großen wirtschaftlichen Anstrengungen, die der Club unternommen hat.» Real hatte zu Saisonbeginn die Rekordsumme von fast 120 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Atlético griff ebenfalls tief in die Kasse und investierte 70 Millionen Euro. «Das Derby war das teuerste aller Zeiten», befand die Zeitung «El País». Real-Präsident Ramón Calderón schien die Ausgaben nicht zu bereuen: «Endlich gab es wieder Pässe über 30 Meter zu bestaunen. Das haben wir im Bernabéu-Stadion seit Jahren nicht mehr gesehen.» Atléticos Trainer Javier Aguirre haderte nach der spannenden und abwechslungsreichen Partie mit dem Schicksal: «Das Ergebnis ist nicht gerecht. Wir hätten ohne weiteres gewinnen können.» Der letzte Sieg der Rot-Weißen beim großen Nachbarn liegt mehr als sieben Jahre zurück.
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