Salzburg feierte die sportliche Eröffnung seines Stadions für die EM 2008 überschwänglich als geglückte Generalprobe. Ein 1:0 Sieg von Meister «Red Bull» im Freundschaftsspiel gegen Weltklasse-Club Arsenal versüßte vor knapp 31 000 begeisterten Zuschauern die Premiere.
Das Publikum spielte mit und benutzte Salzburgs gut organisierte «Öffis» - die öffentlichen Verkehrsmittel. Schließlich gibt es rund um das EM-Stadion - sehr zum Leidwesen der Anwohner - nicht genügend Parkplätze. Nur der Rasen sorgte für Klagen, und der ist bekanntlich für eine Fußball-EM nicht ganz unwichtig. «Der Platz war sehr, sehr, schlecht - eine Katastrophe. Das hat dem Spiel nicht gut getan - vor allem unserem, weil wir normalerweise ein sehr schnelles Spiel bevorzugen», sagte Deutschland Nationaltorhüter Jens Lehmann nach dem Abpfiff. Und auch Arsenal-Trainer Arsene Wenger war - weniger als ein Jahr vor dem ersten Anpfiff zur EM 2008 - unglücklich über den grünen Belag, den die Organisatoren kurzerhand über den alten Salzburger Kunstrasen gelegt hatten: «Der Platz ist nicht gut. Mit diesem Rasen werden sie keinen Engländer überzeugen.» Selbst Salzburgs Mittelfeldspieler Niko Kovac räumte ein, dass die Kritik der Gäste «ehrlich gesagt gerechtfertigt» war. Kovac: «Das Wasser läuft nicht ab, dadurch beginnt es zu faulen und zu stinken.»
Doch sonst waren die Veranstalter zufrieden. Schließlich hatten sie angesichts der Bürgerproteste im Vorlauf zur Stadionseröffnung mit weitaus heftigere Reaktionen rechnen müssen. Einige erinnerten sich sogar an die Premiere für das alte Salzburger Stadion 1971: Nach dem als «Skandalspiel» in die Analen eingegangenen Eröffnungsspiel des inzwischen abgerissenen Salzburger Lehen-Stadions (Österreich gegen Tunesien 3:3) war es zu massiven Handgreiflichkeiten unter den Zuschauern gekommen.
Damit rechnet zwar in Salzburg in nächster Zeit niemand. Doch schon drohen Bürgervereinigungen massive Proteste gegen das neue EM-Stadion an. Sie fordern nämlich, dass die Arena nach dem Fußballfest 2008 wieder auf die Ursprungsgröße von rund 18000 Zuschauern verkleinert wird. Dies hatten die Planer der Europameisterschaft bereits vor Jahren zugesagt, um das neue Stadion überhaupt bauen zu dürfen. Doch ob es letztlich dazu kommt, bleibt abzuwarten. Ein «Volles Haus» werden die Salzburger in jedem Fall nur insgesamt fünf Mal in den nächsten zwölf Monaten erleben. Mehr wollen die Anwohner nicht zulassen.