Real-Trainer: Schuster bekommt Konkurrenz
Madrid (dpa) - 22.06.2007, 16:13 Uhr
Bernd Schuster bei einer Pressekonferenz seines spanischen Vereins Getafe.
Bernd Schuster hat ein Problem. Zwar gilt es als sicher, dass der Deutsche neuer Trainer von Real Madrid wird. Doch zum einen ist er Mitglied beim Erzrivalen FC Barcelona, und nun tauchten plötzlich drei weitere Kandidaten für das Traineramt beim neuen spanischen Fußball-Meister auf. Club-Präsident Ramon Calderon brachte auch Arsene Wenger, Ronald Koeman und Michael Laudrup als Nachfolger von Fabio Capello ins Gespräch. Der deutsche Trainer, der in den spanischen Medien bereits als neuer Mann nach Capello gehandelt wird und sich auch «bereit» für den Posten erklärt hatte, stehe noch nicht einmal auf der Liste, «weil er noch einen gültigen Vertrag mit einem anderen Verein hat», behauptete Calderon. Der 47 Jahre alte Schuster ist noch Trainer des FC Getafe und steht mit dem Madrider Vorstadtclub im spanischen Pokalfinale gegen den FC Sevilla. Aber auch Wenger ist noch an den FC Arsenal gebunden; und Koeman sowie Laudrup hatten wie Schuster einst für «Barca» gespielt. Gut möglich, dass es sich bei Calderons Vorstoß nur um ein Ablenkungsmanöver handelt. Die Trainerfrage soll nach dem Endspiel entschieden werden. Schuster selbst war mit Rücksicht auf das Pokalfinale in den letzten Tagen auf Tauchstation gegangen. Denn der «blonde Engel» steht mit Getafe vor der bislang größten Herausforderung seiner Trainerlaufbahn. Für seinen Club wäre es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Und für ihn selbst wäre der erste Titel als Coach die beste Empfehlung für Real. Als Spieler hatte er den «Copa del Rey» (Königspokal) sechs Mal gewonnen - mit drei verschiedenen Mannschaften: FC Barcelona, Real Madrid und Atlético Madrid.
Dass die Partie im Bernabéu-Stadion des möglicherweise künftigen Arbeitgebers stattfindet, sehen manche als ein Omen. Er fühle sich jedenfalls «wie bei einem Heimspiel», verkündete Schuster und rief die Real-Fans auf, den kleinen Lokalrivalen zu unterstützen. Dies hat «Geta», wie der FC Getafe liebevoll genannt wird, auch nötig: Rund 30 000 eigenen Fans stehen 35 000 Anhänger Sevillas gegenüber. Insgesamt erwartet der UEFA-Cup-Sieger, dass 65 000 «Sevillistas» nach Madrid reisen. Es ist die größte Mobilisierung von Fußball-Fans eines Clubs in der Geschichte Spaniens. Da rund 30 000 von ihnen keine Eintrittskarte haben, gilt das Finale als Hoch-Risikospiel. Schuster hat aber noch ein Problem. Torwart Roberto Abbondanzieri, einer der Erfolgsgaranten, fehlt. Der Argentinier, genannt «Pato» (Ente), bestreitet mit seiner Nationalmannschaft in Venezuela die Copa América. Ihn vertritt Ersatzkeeper Luis García. «Es wird nicht leicht, aber was die Motivation angeht, sind wir unschlagbar», sagt Clubchef Angel Torres. Er beschwört das «Wunder von Getafe»: Im Halbfinal-Rückspiel hatte man den FC Barcelona 4:0 besiegt und so die 2:5-Niederlage aus der ersten Begegnung wettgemacht. Schuster: «Der Titel wäre ein unauslöschliches Ereignis in meiner Fußball-Karriere.» Doch auch die Gegenseite ist hochmotiviert, denn Sevilla will unbedingt den Pokal-Doppelpack. Schließlich haben die Andalusier zuletzt 1948 den «Copa del Rey» gewonnen. «Wir werden siegen, ohne Zweifel», meinte Sevillas Clubchef José María del Nido selbstbewusst. Trainer Juande Ramos stehen bis auf Adriano alle Mann zur Verfügung, auch die Stars Kanouté und Daniel Alves, der trotz Copa América vom brasilianischen Verband die Spielerlaubnis bekam.
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