Schusters größte Herausforderung: «Copa del Rey»
Madrid (dpa) - 22.06.2007, 13:06 Uhr
Bernd Schuster bei einer Pressekonferenz seines spanischen Vereins Getafe.
Bernd Schuster hat ein Problem. Zwar gilt es als sicher, dass der Deutsche neuer Trainer von Real Madrid wird. Mitglied ist er aber beim Erzrivalen FC Barcelona. «Vielleicht werfen sie mich demnächst raus», erklärte er jüngst mit einem Augenzwinkern. Derzeit hat er allerdings wichtigeres im Kopf, denn der «blonde Engel» steht vor der bislang größten Herausforderung seiner Trainerlaufbahn. Mit dem bescheidenen Madrider Vorstadtclub FC Getafe will der 47-Jährige im spanischen Pokalfinale gegen den favorisierten FC Sevilla des Ex-Stuttgarters Andreas Hinkel seinen ersten Titel als Coach holen. Für seinen Club wäre es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Und für ihn selbst die beste Empfehlung an die Real-Spitze. Als Spieler hatte er den «Copa del Rey» (Königspokal) sechs Mal gewonnen, und dies mit drei verschiedenen Mannschaften: FC Barcelona, Real Madrid und Atlético Madrid. Dass die Partie im Santiago-Bernabéu-Stadion seines möglicherweise künftigen Arbeitgebers stattfindet, sehen manche indes als ein Omen. Er fühle sich jedenfalls «wie bei einem Heimspiel», verkündete Schuster und rief die Real-Fans auf, den kleinen Lokalrivalen zu unterstützen.
Dies hat «Geta», wie der FC Getafe liebevoll genannt wird, auch nötig: Den rund 30 000 eigenen Fans stehen 35 000 Anhänger des FC Sevilla gegenüber. Insgesamt rechnet der UEFA-Cup-Sieger aus Südspanien damit, dass 65 000 «Sevillistas» nach Madrid reisen. Es ist die größte Mobilisierung von Fußballfans eines Clubs in der Geschichte Spaniens. Da rund 30 000 von ihnen keine Eintrittskarte haben, ist das Finale als Hochrisikospiel eingestuft. Bernd Schuster hat aber noch ein Problem. Torwart Roberto Abbondanzieri, einer der Garanten des bisherigen Erfolgs, wird fehlen. Der Argentinier, genannt «Pato» (Ente), bestreitet mit seiner Nationalmannschaft in Venezuela den Copa América und bekam nicht die Erlaubnis, in Madrid dabei zu sein. Für ihn wird Ersatzkeeper Luis García im Tor stehen. «Es wird nicht leicht, aber was die Motivation angeht, sind wir unschlagbar», sagt Vereinspräsident Angel Torres. Er beschwört das «Wunder von Getafe»: Im Halbfinal-Rückspiel hatte der Club den FC Barcelona mit 4:0 geschlagen und damit die 2:5-Niederlage aus der ersten Begegnung wettgemacht. «Der Titel wäre ein unauslöschliches Ereignis in meiner Fußball-Karriere», sagt Schuster. |
Doch auch die Gegenseite ist hoch motiviert, denn Sevilla will unbedingt den Pokal-Doppelpack. Schließlich haben die Andalusier zuletzt 1948 den «Copa del Rey» gewonnen. «Wir werden siegen, ohne Zweifel», gibt sich Sevillas Clubchef José María del Nido selbstbewusst. Trainer Juande Ramos stehen bis auf Adriano alle seine Spieler zur Verfügung, auch die Stars Kanouté und Daniel Alves, der trotz Copa América von dem brasilianischen Verband sehr wohl die Erlaubnis bekam, das Endspiel in Madrid zu bestreiten. Schusters Zukunft entscheidet sich nach dem Finale. Anfang nächster Woche will Real Madrids Präsident Ramón Calderón bekannt geben, wer in der kommenden Saison das «weiße Ballett» dirigiert. Die Entlassung von Fabio Capello gilt als sicher. Vielleicht wird Schuster dann endlich Mitglied bei Real Madrid. «Beantragt habe ich es schon vor langem», sagt er.
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