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EURO-Volksabstimmung um Stadion in Bern

Bern (dpa) - 15.06.2007, 09:46 Uhr

Blick in das neue Wankdorf-Stadion in Bern, das auch EM-Schauplatz sein soll.
Blick in das neue Wankdorf-Stadion in Bern, das auch EM-Schauplatz sein soll.

Ausgerechnet in Bern und ausgerechnet im legendären Wankdorf-Stadion soll kein Spiel der EURO 2008 stattfinden? Das ist für viele in der Schweizer Hauptstadt völlig unverständlich.

Und so hoffen die meisten Fußball-Begeisterten, dass eine Volksabstimmung für einen Kredit in Höhe von 5,6 Millionen Franken (fast 3,4 Millionen Euro) mit einem klaren Ja ausgeht. Sonst könnte Bern leer ausgehen, die drei dort vorgesehenen Spiele fänden dann in den anderen Schweizer Austragungsorten Basel, Zürich und Genf statt. Eine schöne Blamage wäre das für die Stadt, in der bei der Weltmeisterschaft 1954 das «Wunder von Bern» mit dem Finalsieg von Deutschland über Ungarn geschah.

Das alte Wankdorf-Stadion gibt es nicht mehr, die Arena heißt nun Stade de Suisse Wankdorf und wurde 2005 eröffnet. Und es geht auch nicht um Geld für das Stadion, sondern was bei einer Europameisterschaft noch dazu gehört: Sicherheit, Regelung des Verkehrs, Marketing und Rahmenprogramm. Dafür wird viel Geld, eben ein Sonderkredit, gebraucht.

Zwar hat dem der Berner Stadtrat bereits zugestimmt, aber man kann nach dem Muster der direkten Schweizer Demokratie auch das Volk darüber abstimmen lassen. Muss man aber nicht, wie etwa in Genf oder Basel geschehen. Nur in Bern drohte eine links-grüne Partei mit einem solchen Referendum. Da entschlossen sich die Verantwortlichen, den Kredit freiwillig zur Abstimmung zu stellen und so Verzögerungen zu vermeiden.

Der Berner Stadionkomplex ist nicht nur eine Spielarena, sondern auch Schauplatz von Konzerten und dient der Kultur - kurz, ein vielfältiger Ort der Begegnung. Und er stellte für die Bewerbung zusammen mit Österreich für die EURO 2008 einen gewichtigen Pluspunkt dar. Da werde auch richtiges Geld verdient, also könnten die Betreiber den Kredit auch selbst finanzieren, meinen Gegner. Andere argwöhnen, dass sie die stinkreiche Europäische Fußball-Union (UEFA) subventionieren sollen. Außerdem beteiligten sich Kanton und Stadt Bern ja bereits an den Kosten für die EURO in Höhe von geschätzten 16 Millionen Franken.

Andere verweisen dagegen darauf, dass die Spiele unbedingt in der Haupstadt Bern stattfinden müssen. Immerhin werden in den Fan-Zonen in der Innenstadt bei den Top-Spielen über 100 000 Anhänger erwartet. Im Stadion haben 32 000 Zuschauer Platz. Für den Berner Bürgermeister Alexander Tschäppät wäre ein «Nein» bei der Abstimmung «ein unvorstellbarer Imageschaden». Denkbar sei dann, dass ein anderer Geldgeber einspringe, etwa der Kanton Bern oder private Sponsoren, «sicher aber nicht die UEFA». Oder die Spiele sind weg, und niemand könnte in Bern neue Wunder vollbringen.


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