Der Trainer hatte ihn aus dem Kader geworfen, der Vereinspräsident als «mittelmäßigen Hollywood-Schauspieler» verspottet. Real Madrid wollte David Beckham lieber heute als morgen loswerden. Keine fünf Monate später hat sich das Blatt radikal gewendet.
Die «Königlichen» wollen Beckham halten und den anstehenden Wechsel des 32-Jährigen in die USA rückgängig machen. «Ich wäre begeistert, wenn David bei uns bliebe und seine Karriere in Madrid beendete», erklärte Clubchef Ramón Calderón.
Beckhams Rückkehr ins Team hatte eine rasante Aufholjagd Reals eingeleitet, die die Madrilenen mit dem Gewinn der 30. Meisterschaft krönen können. Dazu muss das Team nur sein letztes Punktspiel daheim gegen RCD Mallorca gewinnen. Für den Engländer wäre es der erste Titel seit seinem Wechsel vor vier Jahren nach Madrid. «Wir werden prüfen, ob Beckham im Vertrag mit seinem neuen Verein Los Angeles Galaxy eine Ausstiegsklausel hat», kündigte der Real-Boss an.
Das Sportblatt «Marca» wusste zu berichten, Real könne «Becks» für neun Millionen Euro zurückkaufen. Galaxys Clubchef Alexi Lalas dementierte dies. Für Beckham gebe es keine Ausstiegsklausel. «Wir freuen uns darauf, ihn im Juli hier in den USA begrüßen zu können.» Beckham selbst denkt nach Angaben seines Managers Simón Oliveira nicht daran, seinen Wechsel in die USA abzublasen: «Er wird seinen Vertrag erfüllen. Beckham freut sich darauf, sich in Kalifornien niederzulassen.»
Trainer Fabio Capello räumte offen ein, dass er sich mit dem Hinauswurf des Engländers aus dem Kader geirrt hatte. «Beckham hat Recht behalten. Wir lagen schlichtweg falsch.» Der Italiener stellt seinen Vereinschef nun vor ein heikles Problem. Calderón soll, wie die spanische Presse seit Wochen berichtete, für die nächste Saison einen Vorvertrag mit Trainer Bernd Schuster abgeschlossen haben. Nun aber wird bei den Fans der Ruf lauter, Capello im Amt zu lassen. «Das muss der Präsident entscheiden», sagte der Trainer dem Sportblatt «As». «Ich habe einen Vertrag bis 2009.»
Derweil zirkulieren in den spanischen Blättern Gerüchte, wonach Reals Titelrivale FC Barcelona dem RCD Mallorca eine Siegprämie zahlen will. Die Katalanen können nur Meister werden, wenn die Inselkicker ihnen im Bernabéu-Stadion Schützenhilfe leisten. «Marca» glaubt zu wissen, dass Barça den Mallorquinern für einen Sieg einen «Geldkoffer» mit 500 000 Euro vermachen wolle. Siegprämien an Dritte sind in Spanien im Saisonfinale angeblich gang und gäbe, aber offiziell will niemand davon etwas wissen.
Barça-Stürmer Lionel Messi, der gerade erst durch sein mit der Hand erzieltes «Maradona-Tor» für Aufsehen gesorgt hatte, plädierte offen dafür, den RCD Mallorca mit einer Siegprämie für das Spiel bei Real zu motivieren. «Wenn so eine Prämie für einen Sieg gezahlt wird, sollte daran nichts auszusetzen sein», meinte der Argentinier. Mallorcas Clubchef Vicens Grande protestierte: «So etwas darf ein Spieler von dieser Klasse nicht sagen - und erst recht nicht nach dem Handballertor vom Samstag.»
Grundsätzlich hat Grande allerdings nichts dagegen, vom FC Barcelona eine Siegprämie zu kassieren. «Die Verantwortlichen der Liga sollten sich mal zusammensetzen und klären, ob diese Prämien nun legal oder illegal sind.» Allerdings werden die Mallorquiner in Madrid auch ohne Siegprämie motiviert sein. Dafür sorgte bereits - unfreiwilligerweise - Calderón. Reals Vereinsboss hatte nach dem 2:2 bei Real Saragossa jubelnd eine Ehrenrunde gedreht, als zählte Mallorca nichts mehr und als hätten die «Königlichen» die Partie schon in der Tasche.