London (dpa) - Fußball-England liegt David Beckham zu Füßen. Der ein Jahr lang ausgemusterte Superstar avancierte zum Matchwinner beim 3:0-Sieg über Estland und rettete Trainer Steve McClaren damit den Job.
«Meisterklasse», jubelte die «Daily Mail» und der «Daily Mirror» schrieb: «Jetzt kann McClaren ,Goldenball' nicht mehr draußen lassen.» England bleibt in der EM-Qualifikationsgruppe E zwar nur Vierter, kann nun aber wieder aus eigener Kraft das Ticket zur Europameisterschaft im kommenden Jahr lösen.
Ob dabei auch Beckham mitwirken darf, ist jedoch ungewiss. McClaren weigert sich noch, dem 32-Jährigen, der im Sommer von Real Madrid zu Los Angeles Galaxy wechselt, einen Platz im Nationalteam zu versprechen. Der Coach fürchtet, dass Beckham nicht fit genug sein könnte, wenn er in der als «Operettenliga» verschrienen US Soccer League aufläuft und zur Anreise zu den Länderspielen zwölfstündige Flüge auf sich nehmen muss. «Heute ist L.A. kein Thema. Wir werden das bei gegebener Zeit besprechen», blockte McClaren hartnäckig jede Frage zu Beckhams Zukunft ab: «Bis zum nächsten Spiel im August ist es noch eine lange Zeit.»
Ungewiss ist auch Beckhams Mitwirken bei der nächsten Partie seines Clubs Real Madrid. Denn von seinem Einsatz für die englische Nationalelf kehrte Beckham verletzt zu seinem Verein zurück. Wie die Mannschaftsärzte des spanischen Rekordmeisters mitteilten, leidet er an einer Bänderdehnung im linken Fußgelenk. Sein Einsatz im möglicherweise entscheidenden Punktspiel der spanischen Liga bei Real Saragossa sei fraglich. Die «Königlichen» können bei einem Sieg am vorletzten Spieltag der Primera División die Weichen zum Titelgewinn stellen.
Aus Beckhams Umfeld ist zu hören, dass der frühere Kapitän seine Entscheidung, nach Los Angeles zu wechseln, schon längst bereut. «Wenn er im Januar, als er die Entscheidung traf, gewusst hätte, dass er wieder ins Nationalteam zurückkehrt, wäre er nie und nimmer nach L.A. gegangen», glaubt auch der frühere Liverpooler Fußball-Profi und heutige TV-Kommentator Alan Hansen.
«Ich hoffe, dass der Wechsel nach Los Angeles meine Chancen, für England berufen zu werden, nicht beeinträchtigt», sagte Beckham. Bedenken, dass er dann nicht mehr auf höchstem Niveau spielen könnte, wies der 96fache Nationalspieler zurück: «Ich glaube, dass ich noch viele, viele Jahre auf diesem Level spielen kann.» Er sei überzeugt, dass sein zukünftiger Arbeitgeber «alles tun wird, mir dabei zu helfen, für England zu spielen».
Beckham bereitete mit mustergültigen Flanken die Tore von Peter Crouch (54.) und Michael Owen (62.) vor, nachdem Joe Cole das Team in Führung geschossen hatte (27.). Bei dem Hype um Beckham ging das Comeback von Owen fast unter. Der Stürmer erzielte sein erstes Tor seit über einem Jahr. Nach seiner Verletzung während der WM hatte er zehn Monate pausieren müssen. Für Owen war es der 23. Länderspiel- Treffer in einem Pflichtspiel. Damit übertraf der 27-Jährige die Bestmarke seines einstigen Idols Gary Lineker.