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Österreich/Schweiz sehen sich für EM 2008 im Soll

Zürich (dpa) - 06.06.2007, 13:11 Uhr

Die EM-Maskottchen Trix und Flix posieren in Innsbruck.
Die EM-Maskottchen Trix und Flix posieren in Innsbruck.

Mozart, hohe Berge, Wilhelm Tell: An berühmten Symbolen mangelt es Österreich und der Schweiz nicht. Bis zum Anstoß zur Europameisterschaft wollen die gemeinsamen Gastgeber auch den Fußball zu einem ihrer Markenzeichen machen.

Genau ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel am 7. Juni 2008 in Basel sehen sich die Organisatoren in den Alpenländern «voll im Zeitplan», die perfekt organisierte Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist aber eine schwere Hypothek. «Natürlich erzeugt das Druck, aber es ist auch ein großer Anreiz, es ebenso gut zu machen», bezeichnete EM-Organisationschef Martin Kallen das Sommermärchen des großen Nachbarn als Vorbild für das eigene Turnier vom 7. bis 29. Juni 2008.

Wirklich vergleichbar - das weiß man auch in Österreich und der Schweiz - wird die EM mit der WM letztlich nicht sein, doch zumindest die Probleme gleichen sich schon jetzt. Die Sorge um die Sicherheit macht eine logistischen wie finanziellen Großeinsatz notwendig, bis hin zur Überwachung des Luftraums durch das Militär. Für die Fußball-Fans ist aber das Ticketproblem vorerst viel drängender: Die Nachfrage nach Eintrittskarten für die 31 Spiele bis zum Finale im Wiener Ernst-Happel-Stadion überschreitet schon jetzt die Anzahl von insgesamt rund 1,05 Millionen verfügbaren Tickets um ein Vielfaches.

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Allein in der ersten Verkaufsphase im März gingen beim EM-OK im schweizerischen Nyon mehr als zehn Millionen Anfragen für die zu verteilenden 300 000 Karten ein. Per Zufallsgenerator wurden die begehrten Billets vergeben. Neben den Gastgeberländern kamen die meisten Ticketwünsche dabei aus Deutschland. «Wir können die Stadien nicht größer machen als sie sind. Und wir freuen uns über das große Interesse aus Deutschland. Leider können wir die meisten Kartenwünsche nicht befriedigen», sagte Kallen.

Von den acht EM-Stadien haben nur die Arenen in Wien (50 000 Zuschauer) und Basel (40 000), in denen ab dem Viertelfinale alle Begegnungen stattfinden, ein größeres Fassungsvermögen. In den anderen Spielorte Bern, Zürich, Genf, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt können jeweils nur 30 000 Fans die Partien verfolgen. Die nächste Verkaufsphase beginnt nach der Gruppenauslosung am 2. Dezember in Luzern, und schon jetzt ist der nächste Ansturm vorprogrammiert.


Das Zauberwort zur Lösung des Ticketproblems soll wie bei der WM Public Viewing heißen. Neben den Spielorten werden in zahlreichen weiteren Städten in Österreich und der Schweiz Großbildleinwände aufgestellt, um den Fans die Möglichkeit zu geben, die Partien zu verfolgen. Auch das Konzept der Fanmeilen wird übernommen. In Wien wird sie vom Rathausplatz bis zum Heldentor erstrecken, was wohl auch einen zeitweiligen Umzug des berühmten Burgtheaters notwendig macht.

Erstmals seit 2000 in Belgien und den Niederlanden findet eine EM wieder in zwei Ländern statt. Und die Probleme der Organisatoren gleichen sich erneut. Unterschiedliche Regierungs- und Steuersysteme, Währungen und teilweise auch Sprachen machen den Planungsalltag nicht leichter. «Jetzt beginnt die heiße Phase der Umsetzung. Es gibt viel zu tun, aber es wird uns gelingen», versprach der österreichische Verbandschef Friedrich Stickler.

Viel zu tun hatte Stickler auch schon in den vergangenen Wochen. Die Finanzskandale in der heimischen Bundesliga warfen kurz vor dem Jahrescountdown kein gutes Licht auf Österreichs Fußball. Negative Auswirkungen sehen die EM-Macher nicht. «Das hat aber mit der EM nichts zu tun, das wird die EM nicht beeinträchtigen», sagte Kallen.

In den Tourismusländern hoffen Gastronomie und Hotelgewerbe auf einen massiven Gewinnanstieg. Für Österreich errechnete ein Wirtschaftsinstitut 207 Millionen Euro sollen durch Fußball-Touristen in den Kassen klingeln. 123,84 Millionen Euro sollen davon letztlich übrig bleiben.

Bleibt nur die Sorge um die sportliche Form der Gastgeber. Während das deutsche Team auch von Franz Beckenbauer zum Titelfavoriten ernannt wurde, leidet Österreichs Nationalmannschaft unter akutem Talentmangel. Sogar die bescheidene Zielvorgabe des Trainers Josef Hickersberger, die Vorrunde zu überstehen, wird belächelt. Auch in der Schweiz ist nach dem ernüchternden Ausscheiden im WM-Achtelfinale im Elfmeterschießen gegen die Ukraine die ganz große Euphorie noch nicht wieder eingekehrt. Nationalcoach «Köbi» Kuhn, 2006 immerhin zum «Schweizer des Jahres» gekürt, bleibt aber optimistisch und will den Titel holen. Sollte dies gelingen, hätte Kuhn sicher einen ähnlichen Status wie Nationalheld Wilhelm Tell.

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