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Ungläubige Reaktionen der Ukrainer

Kiew (dpa) - 18.04.2007, 15:59 Uhr

Die Verbandspräsidenten von Polen (Michal Listkiewicz, l) und der Ukraine (Grygoriy Surkis).
Die Verbandspräsidenten von Polen (Michal Listkiewicz, l) und der Ukraine (Grygoriy Surkis).

Die in sich zerstrittene ukrainische Staatsführung applaudierte begeistert, während die Menschen auf den Straßen Kiews eher ungläubig auf den Zuschlag zur Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft 2012 reagierten.

«Wir bringen nicht mal eine normale Regierung zu Stande und nun sollen wir eines der wichtigsten Sport-Ereignisse Europas austragen», ereiferte sich der Student Orest Poltawski. Die UEFA-Entscheidung überrascht die Ukraine mitten in einer schweren Staatskrise. «Das ist doch endlich mal eine richtig gute Nachricht in diesen sonst unerfreulichen Tagen», sagte ein Rentner am Rande einer Protestkundgebung.

Den Kiewer Bauarbeiter Michail Bondar überkommen große Zweifel. «Ich habe keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen. Uns fehlen Hotels, Infrastruktur und unsere Straßen sind eine nationale Schande», sagte er. Die ukrainische Regierung setzte gleich eine Dringlichkeitssitzung für die wichtigsten Finanzierungsfragen an. «Aber erst mal haben wir im Ministerkabinett die Entscheidung mit stürmischem Applaus gefeiert», berichtete Verteidigungsminister Anatoli Grizenko.

Ein wenig Erfahrung haben die Ukrainer schon mit europäischen Großveranstaltungen gemacht. Im Mai 2005 richtete Kiew den Eurovision Song Contest mit einem urigen Zeltlager für tausende Schlager-Liebhaber aus ganz Europa aus. Für die Europameisterschaft will die Ukraine ihre Gäste aber komfortabler in Hotels unterbringen. Nicht wenige Ukrainer hoffen, dass die große Herausforderung 2012 die seit Jahren heillos zerstrittene Politik zusammenführen wird. «Wenn ganz Europa auf uns schaut, werden sich unsere Funktionäre nicht blamieren wollen», sagte die Büroangestellte Aljona Gorbatko.

Die Hausfrau Schanna Grigorjewa freut sich schon auf die Heerscharen von Fußballfans aus vielen Ländern. «An die Menschenmassen sind wir ja spätestens seit der Orangenen Revolution von 2004 gewöhnt», sagt die Kiewerin. Der Rentner Orest Poltawski ist schon jetzt sicher, dass die ausländischen Besucher sich in der Ukraine nicht nur für den Fußball begeistern werden: «Sie werden sich auch gleich in die Ukrainerinnen verlieben. Denn bei uns gibt es ja bekanntlich die schönsten Frauen der Welt.»


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