«Ohrfeige für Barça»: Sevilla nun an Tabellenspitze
Sevilla (dpa) - 04.03.2007, 12:28 Uhr
Sevilla's Aitor Ocio (r) foult Ronaldinho und verursacht damit einen Elfmeter.
Ausgerechnet vor dem schweren Achtelfinal- Rückspiel in der Champions League beim FC Liverpool hat der FC Barcelona in der spanischen Liga einen kräftigen Dämpfer erhalten. In der bislang spannendsten Partie der Saison verloren die Katalanen ihr Punktspiel beim FC Sevilla mit 1:2 (1:1) und mussten die Führung an die Südspanier abgeben. «Ohrfeige für Barça», titelte das Sportblatt «Marca» und bescheinigte zugleich den Andalusiern «meisterliche Qualitäten». Der Ausgang der spanischen Fußball- Meisterschaft ist nun so offen wie schon lange nicht mehr. Dabei sah zunächst alles nach einem Sieg der Gäste aus. Der FC Barcelona spielte wie entfesselt auf und ging nach einem Kopfball Ronaldinhos bereits in der 13. Minute in Führung. Nur eine Viertelstunde später wurde der Brasilianer aber zur tragischen Figur der Partie: Der 26-Jährige wurde im Strafraum von Aitor Ocio gefoult, scheiterte mit dem Elfmeter aber an Sevillas Keeper Andrés Palop.
Dies brachte die Wende im Spiel. Obwohl die Andalusier, die ohne den verletzten Ex-Bundesligaprofi Andreas Hinkel spielten, nach Ocios Platzverweis in Unterzahl waren, legten sie jeglichen Respekt vor dem Titelverteidiger ab. Kerschakow (38.) schaffte das 1:1, Daniel Alves (60.) sorgte per Freistoß für den Siegtreffer. Bei «Barça» lagen nun die Nerven blank: Ludovic Giuly flog wegen eines - allerdings zu hart geahndeten - Fouls am Torschützen vom Platz, eine Viertelstunde später sah Gianluca Zambrotta Gelb-Rot. Die letzte Ausgleichschance vergab der eingewechselte Samuel Eto'o in der Nachspielzeit. «Der FC Sevilla hat den Sieg verdient», musste «Barças» Trainer Frank Rijkaard eingestehen, betonte aber: «Eine Entscheidung in der Meisterschaft ist das aber noch nicht.» Der Niederländer wird nun einige Motivationsarbeit leisten müssen, denn am 06. März müssen die Katalanen in Europas Meisterliga beim FC Liverpool die 1:2-Heimpleite aus dem Hinspiel wettmachen. Und am kommenden Wochenende steht in der Primera Division der Klassiker gegen den Erzrivalen Real Madrid an. Beim FC Sevilla wurde Trainer Juande Ramos mit Ovationen vom Platz verabschiedet. Der 52-Jährige war im Pokalderby bei Betis Sevilla von einer Flasche am Kopf getroffen worden und bewusstlos zu Boden gegangen. Den möglichen Titelgewinn schließt er aber inzwischen offenbar nicht mehr aus: «Ich werde meine Mannschaft jetzt nicht unter Druck setzen. Verzichten werden wir aber auch auf nichts.»
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