Schweizer nach 1:3 kleinlaut
Düsseldorf (dpa) - 08.02.2007, 12:45 Uhr
Gomez erzielt gegen den schweizer Torwart Banaglio (m) das 2:0; links Senderos.
Die Fußballer von EM-Gastgeber Schweiz waren nach 90 Spielminuten ganz kleinlaut. «Wir haben heute eine Lektion erhalten», bekannte Ludovic Magnin vom VfB Stuttgart nach dem 1:3 im Test-Länderspiel in Düsseldorf gegen Deutschland. «Die Enttäuschung ist natürlich groß», meinte Philipp Degen von Borussia Dortmund und schlich wie seine Mitspieler mit hängendem Kopf durch die Katakomben der LTU-Arena. Die Eidgenossen hatten sich für den ersten Test im Jahr 2007 viel vorgenommen. Anderthalb Jahre vor der Europameisterschaft im eigenen Land und in Österreich wollte die Elf von Trainer Jakob «Köbi» Kuhn beweisen, dass das selbst gesteckte Ziel EM-Titel nicht zu hoch gegriffen ist. Nach dem Spiel wusste Kuhn, «dass wir die Messlatte sehr hoch gelegt haben». Zu offenkundig wurde der Klassenunterschied zum WM-Dritten, dem eine durchschnittliche Leistung genügte, um harmlose Schweizer zu besiegen. Der einzige Treffer durch den eingewechselten Marco Streller (71.) entsprang zudem noch einem deutschen Abwehrfehler.
Hart ging die Schweizer Presse mit den Spielern ins Gericht. Unter der Überschrift «Köbis Horror-Show» schrieb der Zürcher «Blick» vom «peinlichsten Auftritt seit dem 1:2 gegen Marokko im Februar 2004». Das Blatt forderte: «Aufwachen! Aufraffen! Und nicht mehr vom EM- Titel reden!» Für die «Basler Zeitung» ist die Schweiz «so nicht ernst zu nehmen». Und der in Zürich erscheinende «Tages-Anzeiger» stellte ernüchtert fest: «Die Schweiz erstarrt in Trostlosigkeit.» Dortmunds Torjäger Alexander Frei äußerte Selbstkritik: «Wir haben eine Chance verpasst, den Schweizer Fußball besser zu verkaufen.» Sein Trainer verneigte sich dagegen fast demütig vor dem Gegner. «Eine große deutsche Mannschaft hat uns heute klar die Grenzen aufgezeigt», sagte Kuhn auf fast jede Frage zum Spiel. |
Der große Nachbar Deutschland ist nicht nur für Kuhn trotz des verpassten WM-Titels zum Vorbild geworden. «Die Deutschen haben es vor der Weltmeisterschaft vorgemacht. Die haben bei Niederlagen viel Kritik einstecken müssen, sich aber nicht beirren lassen», sagte Tranquillo Barnetta (Leverkusen). «Deutschland ist ein Vorbild für uns», findet auch Kuhn, der aber auch weiß, «dass noch ein weiter Weg vor uns liegt». Momentan spricht wenig für einen EM-Sieg der Schweiz. Zu groß sind die Probleme von Kuhn, der es in Düsseldorf mit nur einem Stürmer versuchte. «Wir haben in diesem System noch nie gespielt», gab er zu. Als Ausrede für das kraftlose Auftreten wollte der Coach dies aber nicht gelten lassen. «Die Spieler müssen flexibel genug sein.» Außerdem scheint das Problem, dass viele Nationalspieler in ihren Clubs nur Ersatz sind, größer zu sein als gedacht. Kuhns Ansicht, dass «dies auch ein Vorteil sein könnte, da die Spieler frischer sind und es ihren Vereinstrainer zeigen wollen», erwies sich gegen Deutschland als Trugschluss. Auch der in Stuttgart lange auf die Ersatzbank verbannte Magnin stand am Mittwoch neben sich und unkte vor der Rückkehr zum VfB: «Ich gehe besser zum Gesichtschirurgen, damit ich mich da nicht provozieren lassen muss.»
 |