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Real-Präsident redet sich um Kopf und Kragen

Madrid (dpa) - 18.01.2007, 14:02 Uhr

David Beckham ist in den Augen seines Coachs plötzlich wieder ein großer Profi.
David Beckham ist in den Augen seines Coachs plötzlich wieder ein großer Profi.

Chaosclub Real Madrid: Der Vereinspräsident legt sich in einem verbalen Rundumschlag mit den eigenen Spielern an und muss dann vor den Fußballern zu Kreuze kriechen.

Der Trainer wirft die Superstars Ronaldo und David Beckham aus dem Kader, rudert aber wenig später zurück und räumt ein, dass die Ausgemusterten vielleicht doch wieder für den spanischen Fußball-Rekordmeister spielen werden.

Bei den «Königlichen», die sonst so viel Wert auf ihre Ausstrahlung und Größe legen, geht es alles andere als majestätisch zu. Clubchef Ramón Calderón stellte die Profis in einer Ansprache als ungebildete Trottel dar. Beckham bezeichnete er als «mittelmäßigen Hollywood-Schauspieler». Guti sei mit 31 Jahren noch immer «das ewige Talent» und von Torwart Iker Casillas verriet er gar das Einkommen.

Die Star-Kicker reagierten entsprechend aufgebracht und zitierten ihren Präsidenten ins Trainingscamp. Dem Clubchef half es auch nichts, dass er die Profis «tausend Mal» um Entschuldigung bat. Er bekam, wie die Zeitung «ABC» schrieb, «von den Spielern die Leviten gelesen». «Bist Du mit uns oder gegen uns?», blaffte nach Angaben des Sportblatts «Marca» einer der Fußballer seinen Boss an. «Wenn Du ein Problem mit uns hast, sag es uns ins Gesicht!», soll ein anderer Kicker gesagt haben. Und: «Höre auf, so einen Mist zu erzählen!»

Calderón verließ die Trainingsstätte durch den Hinterausgang. Vielleicht wurde ihm klar, dass er sich bei seiner Ansprache möglicherweise um Kopf und Kragen geredet hat. Sein Ruf war ohnehin angekratzt. Seine Wahl im Sommer war von einem Skandal bei der Stimmenauszählung überschattet. Seine Versprechen, den Brasilianer Kaká (AC Mailand) und den Spanier Francesc Fàbregas (FC Arsenal) zu holen, hielt er nicht ein. Und der Canossa-Gang ins Trainingsquartier könnte ihn um die letzte Glaubwürdigkeit gebracht haben. Sogar der sonst so ernste Coach Fabio Capello konnte sich einen Scherz über seinen Chef nicht verkneifen: «Mich hat Real (wegen eines ,Stinkefingers') bestraft. Mal sehen, ob der Club jetzt auch den Präsidenten bestraft.»

Allerdings trug der Trainer nicht gerade dazu bei, die Wogen der Aufregung zu glätten. Wenige Tage zuvor hatte er noch erklärt, Beckham werde nie mehr für Real spielen. Fünf Tage später sieht er die Lage weniger klar: «Beckham ist ein großer Profi. Man muss flexibel sein und kann auch seine Meinung ändern.» Und zu Ronaldo, den Capello eigentlich rasch loswerden wollte, sagt der Italiener nun: «Ich sehe Ronnie weiter im Real-Trikot.» Der Brasilianer soll sich mit dem AC Mailand über eine Wechsel praktisch einig sein. Die Mailänder wollen jedoch keine Ablösesumme zahlen. Real verlangt mehr als 20 Millionen Euro.


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