Klagen über Real Madrid trotz Erfolgsserie
Madrid (dpa) - 27.11.2006, 13:16 Uhr
Fabio Capello dirigiert seine Mannschaft von der Trainerbank aus.
Real Madrid spielt erfolgreich wie seit Jahren nicht mehr, die «Königlichen» gewannen sogar das schwere Auswärtsspiel beim Titelrivalen FC Valencia, aber unter den Fans will keine rechte Freude aufkommen. Mit dem Mauerfußball, den der italienische Trainer Fabio Capello dem spanischen Rekordmeister verordnet hat, können die Madrilenen sich nicht anfreunden. «Dies ist nicht der Stil, den ein Real Madrid spielt», schrieb das Sportblatt «As» dem Coach nach Reals 1:0-Sieg im Mestalla- Stadion ins Stammbuch. Kapitän Raúl hatte in der 52. Minute bei einem Konter die fast einzige Chance zum «goldenen Tor» genutzt. Dagegen berannten die Valencianer fast pausenlos das Real-Tor und vergaben ihre Chancen reihenweise. «Real gewann, weil es den lieben Gott als Fan auf seiner Seite hatte», witzelte der Kolumnist Hugo Gatti. «Das Schlimmste daran ist, dass Gott zu einem Masochisten geworden sein muss, wenn er an einer solchen Spielweise Gefallen findet.» Die Überlegenheit der Valencianer war so erdrückend, dass sogar Capello einräumte: «Wir haben Glück gehabt. Valencia hatte mehr Torchancen.»
Manche Madrilenen denken wehmütig an die Zeiten zurück, als die «Galaktischen» um Zinedine Zidane und Luis Figo mit Ballbeherrschung und Kombinationsspiel die Zuschauer bezauberten. Das kunstvolle Spiel bildete bislang einen unverzichtbaren Bestandteil der Identität des Vereins. In den 90er Jahren hatte Real Trainer Radomir Antic entlassen, obwohl dieser den Club an die Spitze der Primera División geführt hatte. Der Serbe ließ das Team jedoch einen nicht gerade königlichen Stil spielen. «Mit Capello hat Real sich von seiner eigenen Philosophie abgewandt», beklagte die Zeitung «El Mundo». «Der Ball wird nicht mehr gehätschelt und gestreichelt, er wird verschmäht und missachtet.» Das Sportblatt «Marca» ergänzt: «Capello hat die Real- Elf in einen Trupp von Mauern, Stahlarbeitern oder Finanzbeamten verwandelt. Dies sind Berufe, die niemanden in Begeisterung versetzen und bei denen nur das Ergebnis zählt.» Allerdings dürften die Real-Verantwortlichen gewusst haben, worauf sie sich mit Capello und dessen 1:0-Fußball eingelassen haben. Nach drei Jahren ohne Titel ist ihnen der Erfolg offenbar wichtiger als die Ästhetik. «Wir sollten von Capello keine Schönheit und Kunst verlangen», meint der Kolumnist Juanma Trueba. «Er ist schließlich kein Dirigent und kein Balletttänzer.» Der Erfolg gibt dem Italiener Recht. Real (26 Punkte) lässt sich vom Titelverteidiger FC Barcelona (29) und UEFA-Cupsieger FC Sevilla (28) nicht abschütteln.
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