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Ingenieur Toppmöller: «Ein wunderbarer Job»

Rostock (dpa) - 04.10.2006, 11:04 Uhr

Klaus Toppmöller bei einer Pressekonferenz im Januar in Tiflis.
Klaus Toppmöller bei einer Pressekonferenz im Januar in Tiflis.

Heimweh nach der Bundesliga spürt Klaus Toppmöller nicht. «Momentan möchte ich nicht zurück. Ich habe einen wunderbaren Job», betont der 55-Jährige, der als Trainer der georgischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Deutschland antritt.

Seit dem 1. Februar betreibt der Ex-Profi und Diplom-Ingenieur in der Kaukasus-Republik sein Projekt Aufbau Ost. In dieser Woche will er in seiner Heimat eine Arbeitsprobe vorlegen. «Ich freue mich, dass die georgischen Nationalspieler gegen Deutschland spielen können. Von der deutschen Mannschaft können sie weiter lernen», sagt der Fußball- Lehrer, der in Georgien einen Vertrag bis Ende 2007 unterschrieben hat und dort angeblich insgesamt 2,3 Millionen Euro verdient.

Rund ein Drittel des Jahres ist Toppmöller in Tiflis, der Haupstadt des 4,7 Millionen Einwohner zählenden Landes. «Georgien ist sehr schön, mit vielen Weingegenden und sehr sonnig», schildert der «Trainer des Jahres 2002», der überwiegend aber weiter im beschaulichen Mosel-Dorf Rivenich lebt. Von dort hat er es auch nicht weit zu seinem georgischen Verbandspräsidenten: Nodar Akhalkatsi wohnt im 200 Kilometer entfernten Heidelberg.

Jede Menge Spaß mache ihm sein erster Posten als Nationaltrainer, versichert Toppmöller, wenngleich er sich tüchtig umstellen musste. Statt der Bundesliga fand er eine Spielklasse auf Regionalliga-Niveau vor, seine Profis sind in aller Herren Länder verstreut. «Das schlimmste sind die Platzverhältnisse in Georgien. Eine Katastrophe», sagt der Coach, der seine Entscheidung aber niemals bereut hat.

Dabei verlief der Start schleppend. Weil es keine FIFA- Abstellpflicht für die Auswahl-Kicker gab, kamen zum Spiel gegen Malta im März keine Akteure der A-Mannschaft. «Da hat man mir eine Truppe zusammengestellt, da habe ich keinen gekannt. Das waren alles Spieler, die in Georgien spielen. Ich war ziemlich down», erinnert sich der Nachfolger von Alain Giresse trotz eines 2:0-Erfolges ungern an diese Partie. In der EM-Qualifikation heißen die Gegner unter anderen Italien, Frankreich und Ukraine - ein aussichtsloses Unterfangen. Toppmöllers Ziel ist es, «die Großen ein wenig zu ärgern».


Gemeinsam mit seinem Bruder Heinz Toppmöller und Ralf Minge, schon bei Bayer Leverkusen sein Co-Trainer, trat Klaus Toppmöller die Herausforderung am Schwarzen Meer an. Während sich die zwei Assistenten vorrangig um den georgischen Nachwuchs-Fußball kümmern, arbeitet der Chef über die A-Nationalelf hinaus noch in der Trainerfortbildung. «Klaus Toppmöller macht einen sehr guten Job. Alle sind sehr zufrieden mit ihm», lobt Nationalspieler Lewan Kobiaschwili von Schalke 04, der zu den Leistungsträgern gehört.

«Es gibt sehr gute Fußballer in der Mannschaft, aber es fehlt an den deutschen Tugenden Ordnung und Disziplin», meint Toppmöller, der nun ein «weitaus angenehmeres Leben» als in der Bundesliga hat. «Als Nationaltrainer kriegt man viel mehr mit, was im internationalen Fußball passiert. In der Bundesliga war ich immer nur Ego für einen Verein und habe mich nur auf den nächsten Gegner konzentriert», sagt der dreimalige Nationalspieler, der vor seinem Job in Osteuropa Bayer Leverkusen und den Hamburger SV trainierte.

Seit seiner Entlassung beim HSV im Herbst 2004 war er in Deutschland von der Fußball-Bühne verschwunden, nun kehrt er ins Rampenlicht zurück - und irgendwann vielleicht auch noch mal in die Bundesliga. «Als Fußballverrückter kann man nichts ausschließen.»

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