Der italienische Fußball-Skandal tritt in eine neue Phase: Juventus Turin klagt vor dem Zivilgericht in Rom gegen seinen Zwangsabstieg in die 2. Liga.
Sollte das zuständige Verwaltungsgericht am 6. September die Urteile der Sportjustiz revidieren, drohen eine weitere Verschiebung des auf den 9. September verlegten Ligastarts und dem italienischen Fußballverband (FIGC) Schadenersatzforderungen in Millionhöhe. «Wir haben die Pflicht, unser Ehre zu retten», sagte Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli.
Mit seinem außerordentlichen Vorstandsbeschluss ging der italienische Rekordmeister endgültig auf Konfrontationskurs zum Fußballverband. Der Zwangsabstieg in die Serie B mit 17 Strafpunkten sei «nicht zu rechtfertigen», erklärte der Club. Außerdem sei Juve im Vergleich zu den lediglich mit Punktabzügen bestraften Mitangeklagten AC Mailand, AC Florenz und Lazio Rom ungleich härter bestraft worden. «Wir wollen genauso behandelt werden, wie die anderen Clubs, die in der Serie A bleiben konnten», sagte Cobolli Gigli.
Durch die nach Juves Meinung ungerecht harte Bestrafung durch die Sportjustiz habe man viele Stars verloren, die Mannschaft sei geschwächt. Durch Zwangsabstieg, Ausschluss aus dem Europacup und Aberkennung der letzten beiden Meistertitel sei dem Club großer Schaden entstanden, klagte der Vorstand. Vor allem Juves Image sei enormer Schaden zugefügt worden, obwohl der Club «die Geschichte des italienischen Fußballs über mehr als ein Jahrhundert mitgeschrieben und beim WM-Finale mit neun Spieler vertreten gewesen sei».
Nach den Niederlagen vor den Sportgerichten will Juve nun alle ziviljuristischen Mittel ausschöpfen und notfalls vor den Europäischen Gerichtshof ziehen: «Wir haben uns deshalb bereits an Anwalt Dupont gewandt», sagte der Juve-Präsident. Jean Luc Dupont hatte Jean-Marc Bosman bei seiner erfolgreichen Klage vor dem Europäischen Gerichtshof vertreten. Unverhohlen drohte Cobolli Gigli dem Verband mit Schadenersatzforderungen: «Das wäre eine Konsequenz», sagte der 61-Jährige, der nach dem geschlossenen Rücktritt der Juve-Führung erst vor wenigen Wochen an die Spitze des Clubs gewählt wurde.
Juve empfindet die Urteile der Sportjustiz als ungerecht, weil man mehr als alle anderen, zu einer Aufarbeitung des Skandals beigetragen habe. «Wir wollen an der Erneuerung des italienischen Fußballs mitarbeiten, müssen aber die Interessen unserer Aktionäre und Fans schützen», sagte der Juve-Vorstand.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Manipulationsvorwürfe gegen seinen Ex-Manager Luciano Moggi und Ex-Geschäftsführer Antonio Giraudo hatte sich Juve von seinem langjährigen Führungsduo getrennt. Die beiden wurden von der Sportjustiz als Drahtzieher der Liga- und Schiedsrichtermanipulationen verurteilt. Beide sind ebenfalls vor dem Zivilgericht in Berufung gegangen. Die Verhandlung beginnt am 22. August und gilt als erster Stimmungstest für den Juve-Prozess.