Italien beklagt Urteil - Sorge vor Präzedenzfall
Hamburg (dpa) - 21.07.2006, 13:33 Uhr
Marco Materazzi verlässt das FIFA-Quartier in Zürich.
Italien beklagt im Fall Materazzi/Zidane ein «fragwürdiges Urteil», die neutrale Sportwelt ist in Sorge vor einem Präzedenzfall mit unabsehbaren Folgen. Die vom Fußball-Weltverband verhängte Sperre gegen Italiens Nationalspieler Marco Materazzi wegen seiner verbalen Entgleisung gegen Zinedine Zidane im Finale der Weltmeisterschaft gegen Frankreich hat ein heftiges Medienecho hervorgerufen. Der Italiener hatte eine Sperre von zwei Spielen erhalten, der bereits zurückgetretene Zidane für seinen brutalen Kopfstoß drei. «Nach dieser Norm ist Beleidigung strafbar. Ab jetzt kann also jeder Spieler, der im Spiel beleidigt wird - und das passiert an jedem Wochenende in jedem Land - die FIFA anrufen», fürchtet das spanische Blatt «Marca» nach dem Urteil von Zürich weit reichende Konsequenzen. Die FIFA habe eine Ungerechtigkeit begangen, weil sie Materazzi wegen der Verletzung der Ehre Zidanes für zwei Spiele gesperrt habe und den «Aggressor» nur für ein Spiel mehr.
Besonders laut ist der Aufschrei der Empörung im Land des Weltmeisters. Von einem «fragwürdigen Urteil» sprach der «Corriere della Sera»: «Es ist das erste Mal, dass zusammen mit der Reaktion auch die Provokation verurteilt wurde. Aber das, was wirklich verwundert, ist der geringe Unterschied in der Bestrafung eines verbalen Angriffs und einer gewalttätigen Antwort.» Ähnlich kritisch setzt sich «La Repubblica» mit dem Votum der Sportrichter auseinander. «Erstmals werden die Schimpfworte zwischen Spielern verurteilt. Da kommt der Verdacht auf, dass Materazzi dafür bezahlen muss, weil er Materazzi heißt, und dass Zidane teilweise gerettet wurde, weil er Zidane heißt. Mit anderen Nachnamen hätten wir wahrscheinlich ein anderes Urteil gehabt.» |