Pokal-Aus: Real fehlt ein Tor zum «Fußballwunder»
Madrid (dpa) - 15.02.2006, 13:29 Uhr
Robinho (r) feiert mit seinen Mitspielern das vierte Tor für Madrid im Spiel gegen Saragoss.
Ein Tor hat Real Madrid zu einem «Fußballwunder» gefehlt. Eine Woche nach ihrer 1:6-Blamage im Halbfinalhinspiel des spanischen Fußballpokals bei Real Saragossa landeten die «Königlichen» im Rückspiel einen 4:0-Sieg, verpassten aber den Einzug ins Finale. «Wir haben alles gegeben und unsere Seele auf dem Platz gelassen», meinte Real-Torwart Iker Casillas nach der dramatischen, aber erfolglosen Aufholjagd. Im Endspiel trifft nun der sechsmalige Pokalsieger Saragossa auf den Sieger der Partie Deportivo La Coruña gegen Espanyol Barcelona (Hinspiel: 1:2). Dabei hatte im Bernabéu-Stadion alles danach ausgesehen, als könnten die «Galaktischen» um Ronaldo, Zinedine Zidane und David Beckham das Unmögliche wahr machen. Es waren gerade 57 Sekunden gespielt, da brachte Cicinho Real 1:0 in Führung. Robinho ließ in der 5. Minute das 2:0 folgen, Ronaldo in der 10. das 3:0. «Das war wie ein Orkan, was auf mein Tor zukam», sagte Saragossas Keeper César. «Ich sah uns schon draußen. Am liebsten hätte ich eine Verletzung vorgetäuscht und mich auswechseln lassen.»
Als Roberto Carlos in der 60. Minute per Fernschuss das 4:0 erzielte, hatte Real noch eine halbe Stunde Zeit für den - zum Weiterkommen fehlenden - fünften Treffer. Aber dazu reichte es nicht mehr. Die Saragossaner ergriffen die Initiative und kamen durch den Ex-Dortmunder Ewerthon sogar zu einem Tor, das der Schiedsrichter aber - irrtümlicherweise - wegen Abseits nicht gelten ließ. Viele Spanier hatten Real nach dem Hinspiel bereits abgeschrieben und die Beteuerungen von Trainer Juan Ramón López Caro («Wir können das 1:6 umdrehen!») als Durchhalteparolen abgetan. Aber sie kannten die Madrilenen schlecht. Der in seinem Stolz verletzte Rekordmeister erinnerte an glorreiche Aufholjagden der Vergangenheit wie an jenes 4:0 gegen Borussia Mönchengladbach im UEFA-Cup 1985, mit dem die Madrilenen eine 1:5-Hinspielschlappe wettmachten. 80 000 Real-Fans glaubten nun an eine Neuauflage des Wunders und verwandelten das Bernabeú-Stadion in eine Angstkulisse, die den Saragossanern die Knie zittern ließ. «Eine solche magische Fußballnacht habe ich noch nie erlebt», schwärmte Real-Präsident Florentino Pérez trotz des Ausscheidens der «Königlichen» aus der «Copa del Rey» (Königspokal). Das Publikum verabschiedete die enttäuschten Helden nach dem Abpfiff mit Ovationen.
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