Palma de Mallorca/Madrid (dpa) - Atlético Baleares ist für die Mallorquiner ungefähr das, was Altona 93 oder Westfalia Herne für die Fußball-Fans in Deutschland ist: Ein Traditionsverein mit großer Vergangenheit, der im Laufe der Zeit in der Versenkung verschwunden ist.
Vor einem halben Jahr stand der Club aus der Inselhauptstadt Palma de Mallorca gar kurz vor der Auflösung. Aber nun will Atlético Baleares wieder an ruhmreiche Zeiten anknüpfen - mit deutscher Hilfe.
Der Hamburger Matthias Kühn, der das größte Immobilienunternehmen auf der spanischen Ferieninsel besitzt, steckte Geld in den maroden Club und wurde dessen Vizepräsident. Der 47-Jährige ließ den früheren Bundesliga-Profi Jörg Reeb verpflichten, der sogleich zum Star des Teams wurde. Für den Mittelfeldakteur, der für den 1. FC Saarbrücken, Arminia Bielefeld, Bayer Leverkusen und den 1. FC Köln gekickt hat, kam das Angebot von der Lieblingsinsel der Deutschen gerade recht: «Eigentlich bin ich wegen meiner Frau hier auf Mallorca», sagte der 33-Jährige dem «Mallorca Magazin». «Die will sich zusammen mit einer Freundin beruflich etwas aufbauen.»
Atlético ist auf der Mittelmeerinsel so etwas wie der «Club der Herzen». In seiner Glanzzeit in den 50er und 60er Jahren hatte er mehr Anhänger als der Rivale RCD Mallorca. Heute spielt er in der 5. Liga, RCD dagegen in Spaniens Primera División. «Die Hälfte der Bevölkerung steht noch immer hinter Atlético», weiß Kühn. Anfangs schien sein Engagement ein heikles Unterfangen zu sein. Als Ausländer musste der Makler fürchten, bei den Einheimischen auf Ressentiments zu stoßen; denn es hieß schon oft, die Deutschen wollten Mallorca aufkaufen. «Aber es gab keine Vorbehalte, die Fans sind mir dankbar.»
Der Unternehmer holte den einstigen Hockey-Weltklassespieler Stefan Blöcher in die Vereinsführung, der exzellente Verbindungen zur Welt des Spitzensports unterhält. Das Duo Kühn/Blöcher warb unter anderem bei Trainer Christoph Daum, Ex-Nationalspieler Andy Möller oder den Clubchefs Bernd Hoffmann (Hamburger SV) und Joan Laporta (FC Barcelona) für sein Projekt. «Es gibt viele gute Fußballer, die ohne Verein dastehen», sagte Blöcher dem «Mallorca Magazin». «Warum sollen die nicht auf unserer schönen Insel noch einmal antreten?»
Der «1. FC Kühn», wie der Club zuweilen in der Lokalpresse genannt wird, nimmt bereits Kurs auf die 4. Liga. Aber Kühn, der seit fast 20 Jahren auf Mallorca lebt, will aber höher hinaus: «Die 4. oder 3. Liga kann nicht das Endziel sein. Der Weg nach oben kennt keine Grenzen.» Atlético Baleares strebt indessen nicht nur sportliche Erfolge an, sondern will auch zu einem Integrationsmodell werden.
«Dies ist kein deutsches Projekt. Wir wollen Einheimische und Ausländer auf der Insel in gleicher Weise für den Verein begeistern», betont Kühn. «In der Mannschaft sollen neben Spaniern auch Deutsche, Briten oder Argentinier spielen, wie es Mallorcas Bevölkerungs-Struktur entspricht.» Die Regionalregierung der Balearen versprach, bei der Renovierung des 45 Jahre alten Stadions zu helfen. Die an der Stadtautobahn von Palma gelegene Arena mit gut 20 000 Plätzen, sagt man, ist architektonisch dem Camp Nou in Barcelona nachempfunden.