Europacup: Doping bei Marseille-Sieg 1993?
Paris (dpa) - 22.01.2006, 13:12 Uhr
Dopingproben werden in einem Labor untersucht.
Der Champions-League-Sieg von Olympique Marseille aus dem Jahre 1993 wird von einem Dopingverdacht überschattet. Der frühere Olympique-Mittelfeldspieler Jean-Jacques Eydelie gestand im Gespräch mit der französischen Sportzeitung «L'Equipe», dass die Spieler vor dem am 26. Mai 1993 in München mit 1:0 gegen den AC Mailand gewonnenen Finale eine Injektion erhalten hatten. Der AC Mailand verlangt eine sofortige Aufklärung der Vorwürfe durch den Europäischen Fußball-Verband (UEFA). «Wir fordern Gerechtigkeit und den Champions-League-Titel für Milan, wenn sich diese Dinge bewahrheiten», sagte AC Mailands Vize-Präsident Adriano Galliani. «Wir mussten uns aufstellen und bekamen eine Spritze in das Gesäß», sagte der heute 39-jährige Eydelie der «L'Equipe». Das ihm unbekannte Mittel habe jedoch keine besondere Wirkung gehabt, betonte Eydelie. «Ich hatte danach einen trockenen Mund und fühlte mich ein bisschen komisch», sagte der Franzose.
Einzig der damals für Marseille spielende deutsche Nationalstürmer Rudi Völler habe sich geweigert, so Eydelie. Völler sei außer sich gewesen. «Ich kann mich nicht mehr daran erinnern», sagte der heutige Sportdirektor von Bayer Leverkusen. «Es kann aber sein, dass ich damals öfter laut geworden bin. Denn in dem Verein war öfter alles nicht hundertprozentig.» Milan will nun genau wissen, ob Eydelie mit einer aufgebauschten Geschichte Werbung für seine im März erscheinende Biografie machen wollte oder ob es sich um ein Dopinggeständnis handelt. «Wir rechnen fest damit, dass die Europäische Fußball-Union von sich aus Ermittlungen einleitet. Sonst stellen wir den Antrag», sagte Milans Anwalt Leandro Cantamessa. |