Frankreich: Rückkehr des Horrors - Triste EM-Vorbereitung

Clairefontaine (dpa) - 23.03.2016, 11:32 Uhr
Frankreich: Rückkehr des Horrors - Triste EM-Vorbereitung
Der französische Nationalspieler Antoine Griezmann wird von bösen Erinnerungen eingeholt. Foto: Jerry Lampen

Die Freude über die Vergabe der EM nach Frankreich war auch bei den Spielern der Équipe tricolore damals riesengroß. Weltmeister wurde Frankreich 1998 vor heimischer Kulisse, 1984 auch Europameister vor den eigenen Fans.

In diesem Jahr soll wieder ein großer Titel für die Grande Nation her. Doch rund zweieinhalb Monate vor dem Eröffnungsspiel der Franzosen am 10. Juni im Stade de France von Saint-Denis läuft die Vorbereitung der Mannschaft von Didier Deschamps alles andere als wunschgemäß.

Statt Vorfreude auf die Testspiele am Freitag in Amsterdam gegen die Niederlande und am Dienstag gegen Russland beherrschen Beklemmung und Trauer das Team. Die Erinnerungen an den 13. November 2015, als Terroristen am Stade de France und in Paris 130 Menschen töteten, sind nach den schrecklichen Ereignissen von Brüssel wieder voll präsent. «Ich muss wieder an Dinge denken, die ich versucht habe zu vergessen», betonte Antoine Griezmann, dessen Schwester bei den Paris-Attacken im Musik-Club Bataclan gewesen war. Sie hatte die Attentate unverletzt überstanden.

Das damals folgende Testspiel in England hatte wie schon die Partie gegen Weltmeister Deutschland keinen sportlichen Wert mehr. Dabei sollten gerade diese Spiele echte Prüfsteine für den EM-Gastgeber werden, der seit dem Viertelfinal-Aus bei der WM in Brasilien gegen Deutschland kein Pflichtspiel mehr bestritten hat. So wie die nun kommenden Duelle mit den nicht für die EM qualifizierten Niederländern und EM-Starter Russland. Danach folgen vor dem EM-Anpfiff noch Spiele am 30. Mai in Nantes gegen Kamerun und am 4. Juni in Metz gegen Schottland.

In der Gruppenphase trifft Frankreich neben Rumänien zum Auftakt am 10. Juni auf Albanien und die Schweiz. Eine optimale Vorbereitung auf eine Titelmission sieht aber anders aus. Noch immer ist ungeklärt, ob die Mannschaft bei der EM mit ihrem Top-Torjäger antreten wird. Der Fall Karim Benzema rief schon höchste politische Kreis auf den Plan, nachdem er im Mittelpunkt einer Erpressungsaffäre um Auswahlkollege Mathieu Valbuena steht. Deschamps neigt bei Fragen zu Benzema zu Einsilbigkeit, der sportliche Wert Benzemas für die Mannschaft ist mit seinen 27 Toren in 81 Spielen aber unbestritten.

Jüngst wurde der 28-Jährige auch noch als Zeuge bei Ermittlungen zur Geldwäsche vernommen. Gegen Deutschland und England hatte er - auch verletzungsbedingt - gefehlt. Für die Spiele gegen die Niederlande und gegen Russland wurde der zuvor ebenfalls wieder angeschlagene Angreifer nicht berücksichtigt. Bis zum 15. April soll nun entschieden werden, ob Benzema sein Comeback für die französische Nationalmannschaft geben darf.

Das kündigte Verbands-Präsident Noël Le Graët französischen Medienberichten zufolge im Quartier der Franzosen vor den Testspielen an. «Wir werden mit unseren Juristen reden und eine Entscheidung fällen», sagte Le Graët. Er gehe davon aus, dass Benzema keine Verantwortung bei den jüngsten Vorwürfen trage - beziehungsweise hoffe er das, sagte der Verbandschef laut «France Football».