Königliche Küken: Real-Eigengewächse drängen nach vorn

Madrid (dpa) - 07.03.2016, 15:15 Uhr
Königliche Küken: Real-Eigengewächse drängen nach vorn
Real Madrid setzt zunehmend auf Eigengewächse. Foto: Juan Carlos Cardenas

Der Einzug in das Champions-League-Viertelfinale soll für Real Madrid nur eine Formsache sein, doch Dienst nach Vorschrift können sich viele Stars nach einer bislang missratenen Saison nicht mehr leisten.

Beim Rückspiel gegen AS Rom am Dienstag dürfte nach dem 2:0 in Italiens Hauptstadt normalerweise nichts mehr schiefgehen. Spannend könnte indes werden, ob Real-Eigengewächse weiter den Vorzug vor einigen Arrivierten bekommen.

Seit der 0:1-Pleite im Derby gegen Atlético vor eineinhalb Wochen, mit der sich Real mit zwölf Punkten Rückstand auf Erzrivale FC Barcelona endgültig aus dem Meisterrennen verabschiedete, setzt Trainer Zinedine Zidane auf den Nachwuchs. Mit Erfolg. Bei UD Levante (3:1) und gegen Celta Vigo (7:1) gehörten die Mittelfeldspieler Casemiro (24) und Lucas Vazquéz (24) zu den Besten, auch der junge Stürmer Borja Mayoral (18) begeistert Fans und Medien.

Die Zeitung «AS» nennt die jüngste Entwicklung eine «Revolution». «Casemiro und Vázquez geben dem Projekt Zidane Impulse», hieß es. Weltmeister Toni Kroos, der keine brillante Saison spielt, muss einen Gang zulegen. Vor allem aber die für viel Geld geholten Filigrantechniker Isco und James Rodriguez geraten wegen ihrer Zweikampfschwäche in die Kritik. Laut Medien hat Clubboss Florentino Pérez sein Urteil gefällt: Beide werden nach Saisonende verkauft.

«Wir müssen voll in die Zweikämpfe gehen, mehr Duelle gewinnen», hatte Zidane nach der Atlético-Pleite gefordert, bei der der Gegner insgesamt elf Kilometer mehr gelaufen war. Beim Kantersieg gegen Vigo liefen die Schützlinge des Franzosen deutlich mehr - allen voran Vázquez und Casemiro, mit 12,6 beziehungsweise 11,7 Kilometern. 

Da kommt natürlich Selbstvertrauen auf. Vázquez wagte es sogar, den Anweisungen von Cristiano Ronaldo auf dem Feld zu widersprechen. «Wir können nicht alle nach vorne laufen, sonst bleiben die im Mittelfeld ungedeckt», rief der Lehrling dem Boss energisch gestikulierend zu. Ronaldo erzielte nach der «Majestätsbeleidigung» und einigen Fan-Pfiffen vier Tore. «Pfiffe sind oft gut», meinte Zidane lakonisch.

Revolution hin, Torfestivals her: Nur mit dem Titel in der Königsklasse kann Real die Saison retten. Gegen Rom fehlt lediglich der weiter angeschlagene Stürmer Karim Benzema. Kroos, am Wochenende wegen Grippe außer Gefecht, kehrt ebenso wie Luka Modric in den Kader zurück. Im Mittelfeld herrscht Überangebot. Über die Aufstellung wurde in Madrid heftig spekuliert. 

Außer Frage stand derweil für alle, dass Real eine jahrzehntelange Negativserie beenden und erstmals nach 1987 wieder gegen ein italienisches Team weiterkommen wird. Den Gästen fehlt Antonio Rüdiger. Der 23 Jahre alte Nationalverteidiger muss wegen einer Zerrung am rechten Oberschenkel zwei Wochen zuschauen.

Bericht von AS, Spanisch

Vázquez widerspricht Ronaldo