FC Valencia ist Meister - Real Madrid geschlagen
Madrid (dpa) - 09.05.2004, 22:34 Uhr
Valencias Spieler feiern die Meisterschaft.
Zu Saisonbeginn hatte Real Madrid sich als «unbesiegbar» feiern lassen, aber nun muss das Ensemble der Superstars sich an allen Fronten geschlagen geben. Nach dem Scheitern in der Champions League und im spanischen Fußballpokal verspielten Ronaldo & Co mit einer blamablen 2:3-Heimniederlage gegen Real Mallorca ihre letzte Chance auf den Meistertitel. Da der FC Barcelona nach 17 Spielen ohne Niederlage mit 0:1 bei Celta de Vigo ebenfalls verlor, war für den FC Valencia der Weg frei. Der UEFA-Cup-Finalist ließ sich die Chance nicht entgehen und besiegelte durch ein 2:0 beim FC Sevilla seine sechste Meisterschaft. Die Madrilenen erhielten den «Todesstoß» - ein weiteres Mal - von einem Fußballer, den sie als ungeeignet aussortiert hatten: Samuel Etoo. In der Champions League war es der «Ex-Königliche» Fernando Morientes vom AS Monaco gewesen, der Reals Aus besiegelt hatte. Nun spazierte der Kameruner Etoo, dessen Ablöserechte noch zu 50 Prozent Real gehören, nach Belieben durch die Madrider Abwehr und brachte Mallorca mit zwei Treffern (9. und 35. Minute) in Führung. Den 70 000 Zuschauern im Bernbéu-Stadion signalisierte Afrikas Fußballer des Jahres: «Ich gehöre in dieses Star-Team.»
Zur Halbzeit lag Real mit 1:3 zurück, es drohte ein Desaster. Da hatte selbst der Schiedsrichter Mitleid und sprach den Madrilenen - ohne wirklichen Grund - einen Elfmeter zu. So konnte Luis Figo (50.) auf 2:3 verkürzen, aber der Sieg der Inselkicker geriet nicht mehr in Gefahr. «Real gleicht einer Leiche, und Etoo tanzt auf ihr herum», titelte das Sportblatt «Marca». Das Publikum pfiff die Real-Stars gnadenlos aus und legte sich vor allem mit dem wirkungslosen «Dickerchen» Ronaldo an. Trainer Carlos Queiroz, der die «weiße Titanic» gegen den Eisberg gesteuert hat, musste sich Beschimpfungen anhören wie: «Raus, du Versager!» Das Sportblatt «As» stellte resigniert fest: «Vom großen alten Real ist nichts übrig geblieben. Torwart Iker Casillas hält nicht mehr, Ronaldo schießt keine Tore, und Beckham ist ohne Pferdeschwanz.» Florentino Pérez wird nun wahrscheinlich einen radikalen Neuanfang starten, denn der Clubchef möchte im Sommer wiedergewählt werden. Bei den Transfers stehen der Italiener Francesco Totti, der Niederländer Ruud van Nistelrooy sowie die Spanier Xabi Alonso und Joaquín auf der Wunschliste. Stars wie Ronaldo oder Beckham, so wird spekuliert, lässt Real ziehen, sobald entsprechende Angebote vorliegen. Auf Queiroz setzt niemand mehr einen Pfifferling. «Das Real-Team der Saison 2004/2005 wird nicht wiederzuerkennen sein», prophezeit «Marca».
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