Zwar wurde bei der WM das 4,5 Milliarden Rand (etwa 450 Millionen Euro) teure Glanzstück weltweit gerühmt - hier jubelte auch Kanzlerin Angela Merkel über den spektakulären 4:0-Sieg Deutschlands gegen Argentinien im Viertelfinale. Seither aber muss die Stadt jährlich über 45 Millionen Rand an Unterhalt zahlen - nimmt aber nur etwa zwölf Millionen Rand ein. Im Stadion finden zwar Fußballspiele von Ajax Cape Town statt, aber deren Fans füllen kaum das imposante Rund mit den 55 000 Plätzen. Nur selten - wie bei Konzerten der Rockgruppen U2 und Coldplay - strömen Zehntausende in die Arena. Das reicht finanziell vorne und hinten nicht. Die Stadt möchte nun Restaurants, Bars, Tagungsräume und Büros im Stadion ansiedeln. Allerdings gibt es Zweifel, ob man dafür genug Interessenten finde. Zudem hatte man den Anwohnern vor dem von Anfang an umstrittenen Stadionbau versichert, dass er nur für den Sport und für Veranstaltungen genutzt werde, nicht aber als Geschäftszentrum. Manche plädieren nun, das Stadion abzureißen. Gegen solche Pläne wehren sich am Kap aber viele. «Das wäre ein Alptraum, welch eine Verschwendung. Es ist ein wundervoller Bau», meinte der Industrie- und Handelskammer-Chef der Provinz Westkap, Michael Bagraim. Nun präsentierte der Gewerkschaftsverband Cosatu ein originelles Konzept: Das Green Point Stadion soll zu Billigunterkünften für Arme umgebaut werden. Die Rasenfläche könnte als Gemeinschaftsgarten mit Spielplätzen, Parkbänken und Grill-Ständen genutzt werden. Der Plan ist revolutionär. Denn in der Nachbarschaft der Arena befinden sich vor allem teure Apartmenthäuser und Hotels sowie viele Restaurants und Bars - im wesentlichen ein rein weißes Viertel. Cosatu will genau diese Strukturen aufbrechen: Mit der Ansiedlung von Armen - die in der Regel schwarz sind - würde ein wichtiger Beitrag zur Integration geleistet, schwärmte Cosatu-Sprecher Tony Ehrenreich. «Das ist eine gute Gelegenheit für die Gründung einer afrikanischen Stadt, denn bisher ist Kapstadt so weiß wie während der Apartheid-Zeit».
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