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Van Marwijk schmeißt hin - Wer wird Nachfolger?

Zeist (dpa) - 28.06.2012, 14:59 Uhr

Bert van Marwijk stellte sein Amt als niederländischer Nationaltrainer zur Verfügung. Foto: Koen van Weel
Bert van Marwijk stellte sein Amt als niederländischer Nationaltrainer zur Verfügung. Foto: Koen van Weel

Zermürbt, gekränkt und einfach nur müde. Nachdem Bert van Marwijk mit seinem Rücktritt als Bondscoach die Konsequenzen aus dem niederländischen EM-Desaster gezogen hatte, tauchte der 60 Jahre alte Fußball-Lehrer erst einmal ab.

Bereits am Donnerstag flog van Marwijk weit weg in die Sonne, während in der Verbandszentrale des Königlichen Niederländischen Fußball-Verbandes (KNVB) in Zeist hektische Betriebsamkeit ausbrach.

Urlaub statt Neuaufbau heißt es nun für den früheren Trainer von Borussia Dortmund, der mit seiner am Mittwochabend verkündeten Entscheidung alle überrascht hatte. «Dass er sein Amt so schnell zur Verfügung stellt, hätte ich nicht gedacht», sagte Kapitän Wesley Sneijder.

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Gerade einmal zehn Tage nach dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine bat van Marwijk um die Auflösung seines bis 2016 laufenden Vertrages. Noch zu Wochenbeginn hatte alles danach ausgesehen, dass er seinen erst Ende des vergangenen Jahres verlängerten Kontrakt erfüllen und den Neuaufbau des tief gefallenen Europameisters von 1988 einleiten würde. Doch nun ist van Marwijk weg und die große Frage lautet: Wer wird sein Nachfolger?

KNVB-Direktor Bert van Oostveen will sich mit der Besetzung «des begehrtesten Trainerpostens des Landes» (Algemeen Dagblad) Zeit lassen. Fest steht nur, dass bei der Suche nach einem Nachfolger kein Ausländer in die engere Wahl kommen wird. «Das wäre eine Verhöhnung unserer eigenen Ausbildung und für das Image unseres Fußballs», sagte van Oostveen dem «Algemeen Dagblad».


In den Niederlanden begannen noch in der Nacht zum Donnerstag die Spekulationen über den neuen Bondscoach. Die drei ehemaligen Oranje-Trainer Frank Rijkaard, Guus Hiddink und Louis van Gaal werden ebenso genannt wie Ronald Koeman oder Frank de Boer. Koeman soll von Feyenoord Rotterdam aber keine Freigabe bekommen, de Boer will erst noch bei Ajax Amsterdam weitere Erfahrungen sammeln. «Meinen Namen können sie von der Liste streichen», sagte der 42-Jährige, bei der WM 2010 noch Assistenz-Coach von van Marwijk.

«Ich hatte mit Bert eine super Zeit», sagte de Boer. «Es ist für die Elftal schade, dass Bert aufhört.» Van Marwijk und de Boer hatten die Elftal vor zwei Jahren in Südafrika bis ins Finale geführt. Es war van Marwijks Meisterstück. Die Euphorie in den Niederlanden war riesig, zumal das Oranje-Team auch mühelos durch die EM-Qualifikation marschierte. Doch für Hollands Fußball-Legende Johan Cruyff begannen schon in dieser Phase die ersten Fehler. «Die Ergebnisse haben vieles kaschiert», kritisierte Cruyff.

Im EM-Quartier in Polen traten die Probleme dann offen zutage. Im schmucken Sheraton Hotel von Krakau soll es an allen Ecken und Ende geknistert und geknarrt haben. Vor allem die Ersatzspieler Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart machten wegen ihrer Nichtberücksichtigung Stunk. «2010 war vieles einfacher. Damals haben van der Vaart und Huntelaar in ihren Clubs kaum gespielt», sagte de Boer.

Dieses Mal strotzte vor allem Bundesliga-Torschützenkönig Huntelaar vor Selbstvertrauen und machte keinen Hehl aus seinem Frust, hinter Robin van Persie vom FC Arsenal erneut nur die Nummer zwei zu sein. Der Schalker soll daher wie van der Vaart auf der Liste jener Spieler gestanden haben, die unter van Marwijk keine Rolle mehr spielen sollten und die der Coach dem KNVB in den Analysegesprächen überreicht haben soll.

Dass die brisante Liste postwendend an die Öffentlichkeit kam, gab von Marwijk, seit 2008 im Amt, anscheinend den Rest. Schon in Polen hatte er beklagt, dass immer wieder Interna an die Öffentlichkeit gelangten. Nun wurde es van Marwijk offenbar zu bunt.

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