Wembley Schicksalsort für Interimscoach Pearce
London (dpa) - 28.02.2012, 17:18 Uhr
Stuart Pierce (M) trainiert mit dem englischen Team in Wembley. Foto: Andy Rain
Wieso eigentlich nicht mit Stuart Pearce als Dauerlösung? 100 Tage vor der EM wagt Englands Nationalelf den Neustart - nach Capellos Abschied notgedrungen. Interimscoach Pearce kommt bei den Spielern an und will an seinem Schicksalsort Wembley die Gunst der Stunde nutzen. Als 14-Jähriger jobbte Stuart Pearce hinter der Bar des Wembley-Stadions. In Londons Fußball-Tempel erlebte Englands Interimscoach auch hochemotionale Momente als Spieler, als er 1996 im EM-Viertelfinale gegen Spanien mit dem entscheidenden Strafstoß sein Elfmeter-Trauma der WM 1990 besiegte. Und im Halbfinale erneut verwandelte, aber der Erzrivale und spätere Europameister Deutschland wieder weiterkam. Deutsche Fans kennen Pearce vor allem verheult. Pearce war einst als Elektriker in der Gegend um das Stadion unterwegs. Dort absolvierte er auch vor 25 Jahren gegen Brasilien (1:1) das erste seiner 78 Länderspiele. «Ich habe wohl mehr Verbindungen mit der Gegend als jede andere Person, die am Mittwoch im Stadion ist», sagt der Londoner. Zurück ist der 49-Jährige als Kurzzeit-Coach der Auswahl, die nach Fabio Capellos Hauruck-Abschied den Neuanfang startet. Und das nur 100 Tage vor der EM und gleich gegen die Niederlande. Bei der EM-Vorrunde 1996 zerlegte England die Niederländer 4:1. Vielleicht ein gutes Omen für Pearce.
«Psycho» nennen sie den früheren Linksverteidiger bis heute auf der Insel wegen seiner kompromisslosen Spielweise. Dabei kommen die Spieler mit ihm offenbar besser aus als mit dem knorrigen, autoritären Capello. Die «Times» schreibt vom «Wohlfühlfaktor» und eingekehrter Ruhe auf dem «Post-Capello-Trainingsplatz». Liverpools Steven Gerrard, der als Favorit auf die Kapitänsbinde gehandelt wird, fühlt einen «Aufbruch, den wir haben müssen für einen erfolgreichen Sommer». James Milner von Manchester City schwärmt über Pearce: «Als Trainer weiß er, wann er dir in den Arsch treten muss und wann er den Arm um dich legen muss.» Pearce hatte sich zuletzt selbstbewusst als Langzeitlösung für die EM ins Gespräch gebracht. Der Trainer des britischen Olympia-Teams und der U-21-Auswahl würde das «mit großer Freude tun. Ich bin verfügbar und habe Turniererfahrung.» |