Englische Fußball-Stars wollen Redknapp
London (dpa) - 09.02.2012, 13:28 Uhr
Harry Redknapp ist ein heißer Kandidat auf den Posten des englischen Nationaltrainers. Foto: Kerim Okten
Nach dem überraschenden Rücktritt Fabio Capellos steht das Mutterland des Fußballs ohne Nationaltrainer da - und das nur vier Monate vor der Europameisterschaft. Nachfolge-Favorit ist Tottenham-Coach Harry Redknapp. Der hielt sich erst einmal bedeckt. Sogar der britische Premierminister David Cameron mischte sich nach dem Capellos Rücktritt in die nationale Angelegenheit ein. Wie viele Fußballstars bedauerte der Regierungschef am Rande seines Staatsbesuchs in Schweden die überraschende Entscheidung des Italieners. Manchester Uniteds Wayne Rooney forderte nach erstem Entsetzen («das macht mich völlig fertig») via Twitter einen Engländer als Nachfolger und sprach sich wie viele seiner Kollegen für Tottenham-Hotspur-Trainer Harry Redknapp aus. Als Interimslösung ist in den englischen Medien Stuart Pierce, Coach der britischen Olympia-Auswahl, im Gespräch. «Es tut mir leid, Fabio gehen zu sehen. Ich denke, er war ein guter Coach und ein guter Mann», sagte Cameron und ergänzte vielsagend: «Ich glaube nicht, dass er Recht hatte in der Angelegenheit um John Terry. Man kann nicht Kapitän sein mit dieser unbeantworteten Frage.» Capello, dessen Vertrag im Sommer ausgelaufen und nicht verlängert worden wäre, war am Mittwoch nach einem Gespräch mit dem englischen Verband FA als «Three Lions»-Coach zurückgetreten. Am vergangenen Freitag hatte die FA John Terry wegen Rassismus-Vorwürfen als Kapitän abgesetzt - ohne Capellos Einverständnis. Dies wertete der stolze und kompromisslose Erfolgscoach offensichtlich als Affront.
«Ich habe nichts gesagt und werde nichts sagen», erklärte Capello der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Über seinen Anwalt versicherte er dem englischen Verband, dass andere Aussagen von ihm, die in diversen Medien kursierten, nie gefallen seien. Gegen Terry beginnt am 9. Juli ein Gerichtsprozess, weil er einen dunkelhäutigen Gegenspieler rassistisch beleidigt haben soll. Vier Monate vor EM-Beginn geht es im englischen Nationalteam mal wieder drunter und drüber. «Arryvederci» titelte das Boulevardblatt «Sun» gehässig - und in Anspielung auf den Vornamen des Nachfolge-Favoriten. Redknapp selbst bremste im BBC-Interview die Erwartungen - ohne allerdings klar Nein zu sagen: «Meine ganze Konzentration gilt Tottenham.» Er sei «schockiert» über Capellos Rücktritt gewesen. |