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FC Liverpool: Kultclub mit ramponiertem Image

Liverpool (dpa) - 24.01.2012, 13:32 Uhr

Arsenal-Trainer Kenny Dalglish drohte seinen Spielern mit Rauswurf. Foto: Estela Silva
Arsenal-Trainer Kenny Dalglish drohte seinen Spielern mit Rauswurf. Foto: Estela Silva

Englands Kultclub FC Liverpool produziert aktuell reichlich Negativschlagzeilen. Ein Image-Schaden ist nach Rassismusvorwürfen, Wutausbruch des Trainers und dem Absprung des Ausrüsters nicht mehr zu leugnen. Ein Sieg im Ligapokal gegen Manchester City würde helfen.

Dietmar Hamann nennt sein bald erscheinendes Buch «The Didi Man: My Love affair with Liverpool», Markus Babbel träumt vom Trainerjob beim FC Liverpool. Wer einmal bei den Reds gespielt hat, den lässt der Kultverein meist nicht mehr los. Doch jüngst produziert der Champions-League-Sieger von 2005 vor allem Negativschlagzeilen. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren ist der Club auf europäischer Ebene nur Zuschauer. Dazu kommen Rassismusvorwürfe, schlechte Leistungen, der Absprung des Ausrüsters und zuletzt ein wutentbrannter Coach Kenny Dalglish, der seinen Spielern mit Rauswurf drohte. Der Image-Schaden ist da, die Woche der Wahrheit steht an.

Am Mittwoch geht es für den 18-maligen englischen Fußball-Meister gegen Manchester City um den Einzug ins Ligapokal-Finale, am Samstag kommt Erzrivale Manchester United in der vierten Runde des FA-Cups. Am Dienstag muss in der Premier League dann nach zuletzt drei sieglosen Spielen für den Liga-Siebten dringend ein Erfolg bei den Wolverhampton Wanderers her. Gelingt wieder kein Befreiungsschlag, wackelt wohl auch Dalglishs Trainerstuhl.

Begonnen hatte die Misere mit der Rassismus-Affäre um Luis Suárez, in der ein uneinsichtiger Spieler und ein uneinsichtiger Club keine gute Figur abgaben. Der Uruguayer soll Manchester Uniteds Patrice Evra nach dessen Aussage Mitte Oktober im Liga-Spiel mehrfach auf Spanisch «negro» genannt haben. Liverpool reagierte mit einem harschen Statement auf die Acht-Spiele-Sperre seines besten Angreifers und zweifelte die Ergebnisse des Untersuchungsberichts an.

Trainer Dalglish verteidigte Suárez mit dem Verweis auf sprachliche Gepflogenheiten in Uruguay: «Seine Frau nennt ihn so - und ich glaube nicht, dass er sich von ihr angegriffen fühlt.» Das europäische Antirassismus-Fußballnetzwerk FARE tadelte Liverpools Umgang mit der Affäre als «völlig inakzeptabel».


Und dann wurden auch noch Fans des Clubs ausfällig: Im FA-Cup-Spiel gegen Oldham sollen Liverpool-Anhänger mit Suárez-Shirts den schwarzen Gegenspieler Tom Adeyemi rassistisch beleidigt haben, so dass dieser anfing zu weinen. Ein 20 Jahre alter Fan wurde schließlich festgenommen.

Diese Schlagzeilen haben dem Ausrüster (Adidas) sicherlich auch nicht gefallen. Das Auslaufen des Vertrags begründet der Sportartikel-Hersteller aber mit der sportlichen Talfahrt der Reds.

Noch scheinen nicht alle Spieler den Ernst der Lage erkannt zu haben. Jedenfalls lieferten sie am Samstag beim 1:3 bei den Bolton Wanderers ein Debakel ab - gefolgt von der Kenny-Dalglish-Wutrede. «Sie werden nicht mehr lange hier sein, wenn sie weiter so eine Vorstellung abgeben», schimpfte der 60 Jahre alte Coach.

Es gibt nur wenig, das derzeit positiv stimmt an der Anfield Road. Am ehesten noch die Vertragsverlängerung von Kapitän Steven Gerrard. Mitte Januar unterschrieb der 31-Jährige einen neuen langfristigen Kontrakt. Das sei der «Club, den ich liebe und dessen Fan ich bin, seit ich ein kleiner Junge war», sagte das Reds-Urgestein.

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