Nun könnte der Fußball eine wichtige Rolle bei der Neudefinition der Nation spielen. «Schon die Teilnahme an dem Turnier bedeutet sehr viel für die Spieler und für alle Libyer», weiß der brasilianische Trainer Marcos Paqueta. Beim Eröffnungsspiel gegen Äquatorialguinea wurden die neue libysche Nationalhymne und die neue Nationalfahne erstmals einer großen Öffentlichkeit präsentiert. Auch liefen die Spieler - statt wie bisher in den grünen Trikots der Gaddafi-Zeit - nun in Weiß auf, der Farbe der Unschuld und Reinheit. Der Afrika-Cup, findet Coach Paqueta, biete die Möglichkeit, «Freude zurückzubringen und die Wunden der Libyer nach all den Schwierigkeiten zu heilen.» Auch Hey sagt, Fußball gebe den Menschen endlich andere Themen als Krieg und Gewalt. Umso bitterer ist es, dass das Land nicht wie geplant den Afrika-Cup 2013 austragen darf. Nun ist Libyen 2017 als Gastgeber dran. Bis dann sollen die Stadien fertig sein. Paqueta, der schon verschiedene brasilianische Jugendmannschaften zu WM-Titeln geführt und in Saudi-Arabien und Katar als Trainer gearbeitet hat, lässt fast ausschließlich heimische Spieler in der Nationalelf auflaufen. Einzig die Mittelfeldspieler Mohammed Monir (Serbien) und Braga Djamal Mahamat (Portugal) spielen außerhalb Afrikas und des Nahen Ostens. Beim nun anstehenden Spiel gegen Sambia wird einer sicherlich nicht dabei sein: Al-Saadi Gaddafi. Der Sohn des libyschen Diktators hielt sich für einen begnadeten Fußballer und kickte als libyscher Nationalspieler. Selbst das Amt des Verbandspräsidenten bekleidete er. Nun sitzt der 38-Jährige im Exil in Niger fest - und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.
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