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Kampf gegen Rassismus in Spaniens Stadien

Madrid (dpa) - 17.03.2005, 12:41 Uhr

Luis Aragones ist der Coach der spanischen Nationalelf.
Luis Aragones ist der Coach der spanischen Nationalelf.

Angefangen hatte es mit der Äußerung von Spaniens Nationaltrainer Luis Aragonés, der den Fußballer Thierry Henry von Arsenal London als «Scheißneger» bezeichnet hatte.

Als die britische Presse eine strenge Strafe für den Coach forderte, revanchierten sich spanische Fans bei einem Länderspiel im Madrider Bernabéu-Stadion mit Hassgesängen gegen schwarze englische Spieler. Die Verhöhnung löste nicht nur einen dipomatischen Zwist zwischen Madrid und London aus, sondern auch eine Welle des Rassismus in spanischen Fußballstadien.

Wie in einem Domino-Effekt breiteten sich die Schmährufe gegen schwarze Fußballer auf andere Arenen wie in Málaga, Saragossa, La Coruña, Albacete oder Getafe aus. Besonders schlimm traf es Carlos Kameni von Espanyol Barcelona. Das Torwarttalent aus Kamerun wurde sogar von den Fans seines eigenen Clubs mit Affengeschrei verhöhnt.

Dieser Welle des Rassismus wollen die Verantwortlichen des Sports und der Politik nun Einhalt gebieten. Die spanische Regierung, der Fußballverband RFEF, die Profi-Ligen und die Vereine unterzeichnen an diesem Freitag ein «Protokoll für den Kampf gegen Rassismus und Fremdenhass». Das Dokument sieht vor, dass Zuschauer, die sich an Hassgesängen beteiligen, identifiziert und hart bestraft werden.

Den Clubs sollen künftig bei Zwischenfällen Sanktionen erlassen werden, wenn sie dafür sorgen, dass die Urheber rassistischer Anfeindungen ausfindig gemacht werden. Außerdem verpflichten sich die Vereine, gegen solche Fans Stadionverbote zu verhängen. Das Tragen rassistischer und rechtsradikaler Symbole wird verboten.


Damit zeichnet sich in Spanien ein Umdenken ab. Anfangs waren die Verantwortlichen bemüht, den Rassismus herunterzuspielen oder zu ignorieren. Real Madrid zum Beispiel hatte beim Spiel der Champions League gegen Bayer Leverkusen zunächst Hassgesänge gegen schwarze Fußballer bestritten und dann einer kleinen Gruppe rumänischer Zuwanderer die Schuld gegeben.

Allerdings hegen Skeptiker Zweifel, ob die neue Initiative die beabsichtigte Wirkung erzielen wird. Bei allen bisher verhängten Sanktionen waren die zuständigen Gremien weit unter der Höchststrafe von 60 000 Euro Geldbuße und fünf Jahren Stadionverbot geblieben. Der Disziplinarausschuss des RFEF ließ Aragonés gar mit einer Buße von 3000 Euro davonkommen und befand, dass die Äußerung des Nationaltrainers eigentlich gar nicht rassistisch gewesen sei. Henry als Betroffener bezeichnete die Strafe als «lächerlich» und forderte, dass der Weltverband FIFA für eine härtere Sanktion sorgt.

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