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«Ich danke Gott»: Respekt vor deutscher EM-Gruppe

Kiew (dpa) - 04.12.2011, 12:32 Uhr

Keiner der Trainer der in Gruppe B gelosten Teams macht ein erfreutes Gesicht. Foto: Efrem Lukatsky
Keiner der Trainer der in Gruppe B gelosten Teams macht ein erfreutes Gesicht. Foto: Efrem Lukatsky

Erleichterung bei den einen, Entsetzen bei den anderen: Die Reaktionen auf die EM-Lose fielen recht unterschiedlich aus. Der Respekt vor der und innerhalb der deutschen Gruppe ist immens. Nun beginnen für die Teams die komplizierten Reiseplanungen.

Für Dänen-Trainer Morten Olsen ist die deutsche Gruppe ein «Alptraum», für England ein Geschenk höherer Mächte. «Ich danke Gott, dass wir nicht in Gruppe B sind», sagte die englische Fußball-Legende Gary Lineker über das vom Los bestimmte Vorrunden-Ensemble aus Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Dänemark.

Noch immer scheinen die bösen Erinnerungen der Engländer an das demütigende 1:4 gegen die Löw-Auswahl im WM-Achtelfinale von Südafrika nicht verflogen. «Gruppe B ist die schlimmste», sagte Three-Lions-Nationaltrainer Fabio Capello voller Ehrfurcht.

Die brisanten Launen des Schicksals bei der Loszeremonie im Kiewer Kunstpalast «Ukraina» bescherten den Engländern Co-Gastgeber Ukraine, Schweden und Frankreich. «Eine ausgeglichene Gruppe», meinte Capello gewohnt wortkarg nach der Auslosung für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine.

Auch Titelverteidiger und Weltmeister Spanien äußerte sich respektvoll über die Kontrahenten Italien, Irland und Kroatien in Gruppe C. So richtig in Festtagsstimmung waren am Wochenende eigentlich nur die Vertreter des zweiten Ausrichterlandes Polen. Griechenland, Russland und Tschechien als Gruppe-A-Gegner lassen Robert Lewandowski & Co. nicht gerade in Ehrfurcht erstarren.


Über keine Gruppe wurde aber an diesem Abend auf den weiten Fluren des monströsen Sowjetbaus aber so intensiv diskutiert wie über die deutsche. «Für uns ist es kein Traum, sondern ein Alptraum. In Dänemark würde man sagen: eine Dynamit-Gruppe», meinte Olsen.

«Das ist eine wahnsinnig harte Gruppe mit drei großen Mannschaften, schwerer hätte es nicht kommen können», sagte Portugals Trainer Paulo Bento. Sein Ensemble um Super-Star Cristiano Ronaldo misst sich gleich zum EM-Auftakt am 9. Juni in Lwiw (Lemberg) mit der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes und will unbedingt Revanche nehmen für das 2:3 gegen Deutschland im EM-Viertelfinale 2008.

«Es ist die schwerste Gruppe, das sieht jeder und sagt jeder. Es ist eine große Herausforderung, die Motivation ist jetzt schon da», sagte Oranje-Trainer Bert van Marwijk. Dass es nach dem 0:3 im Testspiel von Hamburg schon wieder gegen Deutschland geht, sieht der ehemalige Dortmunder Bundesliga-Coach eher als Vorteil. «Manchmal muss man ja jahrelang auf eine Chance zur Wiedergutmachung warten, jetzt bietet sie uns schon in der EM-Vorrunde», sagte van Marwijk.

Nach den nun feststehenden sportlichen Härtetests müssen sich nun nicht nur die Holländer um die logistischen Kraftakte kümmern. Das Hauptquartier ist längst im polnischen Krakau gebucht, für alle drei Vorrundenpartien muss der WM-Zweite von 2010 ins mehr als 1000 Kilometer entfernte ukrainische Charkow fliegen. «Für uns macht das nicht so viel aus, aber für unsere Fans ist es natürlich schade, Charkow ist schwer zu erreichen», sagte van Marwijk.

Ähnlich geht es den Engländern, die ebenfalls im idyllischen Krakau logieren werden und denen Flugreisen in die Spielorte Donezk und Kiew bevorstehen. «Auf keinen Fall», antwortete Capello bei der BBC auf die Frage, ob nun das Teamhotel geändert werde. «Wir haben einen wirklich guten Ort gefunden. Wir bleiben in Krakau.» Die Franzosen dagegen wollen ihr Votum pro Polen nochmals überdenken und erwägen angesichts der Spielorte Donezk und Kiew einen Umzug in die Ukraine. «Wir denken darüber nach», sagte Trainer Laurent Blanc.

Derlei Probleme hat der Welt- und Europameister nicht. Die Spanier dürfen als Kopf der Gruppe C alle drei Vorrundenpartien gegen Italien, Irland und Kroatien in Danzig absolvieren - wo sie wohl auch wohnen werden. Zu den sportlichen Aufgaben sagte Trainer Vicente del Bosque: «Schwierig ist es immer. Ich glaube, es gibt im modernen Fußball keine großen Unterschiede zwischen den Mannschaften mehr.»

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