Derzeit trübt einmal mehr ein Korruptionsskandal im polnischen Fußballverband PZPN die Vorfreude der polnischen Fans. In der vergangenen Woche präsentierte die erst Anfang des Monats ernannte neue Sportministerin Joanna Mucha Filmaufnahmen, die den Behörden zugespielt worden waren. Auf den mit versteckter Kamera gedrehten Aufnahmen soll es um illegale Preisabsprachen beim Bau des neuen Verbandsgebäudes gehen, auch PZPN-Präsident Grzegorz Lato soll zu sehen sein. Für Mittwoch war eine Dringlichkeitssitzung der Verbandsspitze angesetzt, auf der es um die Zukunft von PZPN-Generalsekretär Zdislaw Krecina gehen soll. Mucha selbst sagte, sie würde es begrüßen, wenn alle auf den Bildern zu sehenden und in den Fall verwickelten Personen zurücktreten. «Aber ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird», sagte sie. Nachdem es bereits in der Vergangenheit mehrere Korruptionsskandale im PZPN gab, haben viele Fans und Politiker die Nase voll. Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski sprach sich vor wenigen Tagen sogar für eine Auflösung des PZPN und einen völlig neuen Verband aus, mit dem noch vor der EM ein Neuanfang gemacht werden kann. Der ehemalige Nationaltorwart und Kaczynski-Parteifreund Jan Tomaszewski ist über die Skandalserie so empört, dass er bereits die Abberufung Latos fordert: «Es kann doch nicht sein, dass eine Affäre auf die andere folgt und Korruption schon fast normal ist.» Der Parlamentsabgeordnete will deshalb sogar lieber den Deutschen als den Polen die Daumen drücken - mit Lukas Podolski und Miroslaw Klose spielten dort ja auch gebürtige Polen. Angesichts der vielen Baustellen in der EM-Vorbereitung rechnet Tomaszewski nicht mehr mit einem pünktlichen und vollständigem Abschluss. Doch immerhin: «Drei Dinge werden für die EM bereit sein: Die Stadien, die Flughäfen und die Herzen der Polen.»
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