Südafrika schon im WM-Fieber
Johannesburg (dpa) - 05.05.2004, 14:39 Uhr
Zwei Südkoreaner outen sich bei der WM 2002 als Fans von Südafrika.
Anderthalb Wochen vor der FIFA-Entscheidung in Zürich träumt Südafrika schon von der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Obwohl zwischen Kap und Kairo das Rennen um die Austragung von Afrikas erster Fußball-WM noch immer offen ist, hat die positive technische Beurteilung des Kap-Staates durch den Internationalen Fußballverband die Erwartungshaltung geschürt. «Ein Zuschlag wäre das größte Geschenk, das uns die FIFA im zehnten Jahr unserer Demokratie machen könnte», meinte der Leiter der Bewerbungskommission, Danny Jordaan. Sieben Jahre hat Südafrika bereits um die WM gekämpft, 193 Millionen Rand (24,2 Mio Euro) dabei ausgegeben - und knapp die WM 2006 an Deutschland verloren. «Damals brach es uns das Herz, aber wir gingen unseren Weg tapfer weiter. Doch eine erneute Niederlage wäre ein enormer Rückschlag», gesteht Jordaan. Bei einem Zuschlag will er der Welt zeigen, dass auch Afrikaner Weltklasse-Fußball organisieren können. Angelehnt ans deutsche Modell soll der Ticket-Verkauf für Afrikaner ermäßigte Preise vorsehen. Jordaan: «Fußball ist bei weitem der größte Sport in Afrika - wir haben 2,5 Millionen Fußballspieler. Es wäre ein Unding, wenn wir die erste Fußball-WM seit 100 Jahren in Afrika haben, und die Afrikaner könnten sich nicht einmal die Tickets leisten.» Dennoch soll die FIFA-Vorgabe von 3,25 Milliarden Dollar WM-Einnahmen erreicht werden.
Südafrika erhofft sich bei einem Zuschlag die Schaffung von 156 000 Arbeitsplätzen sowie wichtige Impulse für den Tourismus und die nationale Einheit in dem jungen Nach-Apartheid-Staat. Technisch sieht sich Südafrika mit insgesamt 13 Stadien gut gerüstet. Die vier größten sind im Großraum Johannesburg/Pretoria angesiedelt. Das beim Krüger-Nationalpark gelegene Mbombela-Stadion in Nelspruit mit einer Fassungsgrenze von 40 000 Zuschauern soll vor allem auch Fußball-Fans aus dem Nachbarstaat Mosambik offen stehen. Der zu Apartheid-Zeiten durch 23 verschiedene Fußballverbände (die so genannten Homelands eingeschlossen) repräsentierte Staat hat nach seiner sportlichen Isolierung den Weg in die internationale Gemeinschaft wiedergefunden. Immer wieder hatte er seit der ersten demokratischen Wahl 1994 auf sportliche Großereignisse gesetzt, um die Einheit der so lange und so tief gespaltenen Nation voranzubringen. Südafrika, das sich zunehmend als Sprachrohr und Motor des Kontinents für dessen Erneuerungskurs versteht, will nun auch sportlich den Weg weisen. «So wie die WM in Deutschland für Technologie und Effizienz steht, so wird die WM in Afrika für die Leidenschaft und Spontaneität unserer Völker stehen», versprach Jordaan. Bei einem erneuten Scheitern der Bewerbung Südafrikas will er nicht mehr für eine neue Runde antreten: «Afrika hat das nächste Mal erst wieder 2030 eine Chance - da werde ich schon bei den Engelein schweben.»
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