Doch nicht nur die Infrastruktur-Probleme, etwa beim Bau der Autobahn A2 von der deutsch-polnischen Grenze nach Warschau, bringen Politiker an der Weichsel um den Schlaf. Seit Jahren bekommen die Behörden das Gewaltproblem nicht in den Griff. Randale und rassistische Parolen in den Stadien, brutale Auseinandersetzungen zwischen Anhängern verfeindeter Mannschaften vor und nach den Spielen, Handgreiflichkeiten gegenüber Spielern und Schiedsrichtern gehören zum Alltag des Fußballs, vor allem in der Provinz. Nach heftigen Ausschreitungen mussten im Mai und Juni mehrere Stadien für das Publikum geschlossen werden. Die Vereinigung «Niemals mehr» hat vom September 2009 bis März 2011 insgesamt 130 rassistische und Zwischenfälle bei Sportveranstaltungen festgestellt. Kein Wunder, dass die Regierung «Null-Toleranz» für Randalierer angekündigt hat. Im Sommer verschärfte das Parlament in Warschau drastisch die Strafen für Hooligans. Das Gesetzpaket sieht unter anderen Fußfesseln für Straftäter mit Stadionverbot, gerichtliches Schnellverfahren für Randalierer und ein Vermummungsverbot vor. «Wer im Sommer 2012 als Gast nach Polen reist, der braucht sich keine Sorgen zu machen», sagte PZPN-Präsident Grzegorz Lato in einem Presseinterview. Im Kampf gegen die Korruption wurden in den vergangenen Jahren rund 350 Schiedsrichter, Trainer, Funktionäre und Spieler festgenommen. Mehrere Drahtzieher der Manipulationen sitzen bereits in Haft. Fast jeder Tag bringt Neuigkeiten im Kampf gegen Korruption. In dieser Woche nahmen die Beamten einen Schiedsrichter und einen ehemaligen Präsidenten eines Zweitligisten fest. Inzwischen sind in Polen auch Menschen, die zunächst mit großer Begeisterung auf den Zuschlag für die EM 2012 reagiert haben, skeptisch geworden. Nur noch 48 Prozent der Polen sind mit ihrer Gastgeberrolle zufrieden, vor vier Jahren waren es 67 Prozent.
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