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Nebensache Fußball: Gedämpfte Länderspiel-Stimmung

Berlin (dpa) - 09.08.2011, 15:58 Uhr

Im niederländischen Katwijk trainierte das «Oranje»-Team am Montag für das Länderspiel.
Im niederländischen Katwijk trainierte das «Oranje»-Team am Montag für das Länderspiel.

Nebensache Fußball: Am ersten internationalen Länderspieltag nach der Sommerpause rückt das Geschehen auf dem Rasen vielerorts in den Hintergrund.

In Japan steht der Test gegen Südkorea im Zeichen der Trauer um den toten Ex-Nationalspieler Naoki Matsuda, auch das Spiel Norwegen gegen Tschechien ist knapp drei Wochen nach den Anschlägen von Oslo und Utøya alles andere als ein Freudenfest. Das Prestigeduell Italien gegen Spanien steht im Schatten des Fußball-Chaos bei den Gastgebern, das Match zwischen England und den Niederlanden fällt wegen der Krawalle in London sogar aus. Ebenso die Partie zwischen Ghana und Nigeria, die in Watford vor den Toren der britischen Hauptstadt geplant war. Die Veranstalter hätten beide Teams über die Absage informiert, teilte der Fußball-Verband Ghanas mit.

Zumindest in Philadelphia soll beim Spiel USA gegen Mexiko der Sport im Fokus stehen, auch wenn sich TV-Kameras und Fotografen auf eine Person am Spielfeldrand konzentrieren dürften. Jürgen Klinsmann gibt seinen Einstand als Coach der Amerikaner - der frühere Bundes- und Bayern-Trainer soll in den Staaten nicht weniger als eine Ära einleiten. Der Ex-Stürmer will einen «amerikanischen Fußball-Stil» entwickeln und bekommt es gleich zu Beginn mit Erzrivale Mexiko zu tun. «Ich denke, das ist ein großartiger Auftakt», sagte Klinsmann.

Von Euphorie kann in Norwegen keine Rede sein, auch wenn sich die Gastgeber bemühen, durch den Sport einen Schritt in Richtung Normalität zu tun. Das Freundschaftsspiel am Mittwoch ist der erste Auftritt der Auswahl nach den Anschlägen vom 22. Juli, bei denen 77 Menschen getötet worden waren. Viele Sportereignisse wurden danach abgesagt. «Ein Fußballstadion kann ein großartiger Ort sein, um Kameradschaft zu teilen und positive Energie zu tanken», sagte Verbandssprecher Yngve Haavik der Nachrichtenagentur dpa. Die Spieler laufen mit Trauerflor auf, vor Anpfiff gibt es eine Schweigeminute.

In Sapporo trübt ein Trauerfall das Match der Japaner gegen Südkorea. In der vergangenen Woche war Ex-Profi Matsuda, bei der Heim- WM 2002 noch im Nippon-Trikot, nach einem Kreislaufkollaps gestorben. «Er hat Japan getragen, es ist wirklich traurig», sagte Shinji Kagawa von Borussia Dortmund, der nach seiner Verletzung vor dem Comeback für Japan steht. Das Team von Trainer Alberto Zaccheroni hatte sich am Montag im Training versammelt und still des im Alter von 34 Jahren gestorbenen Matsuda gedacht. «Weil Matsuda so gut gespielt hat, können wir heute alle hier sein», sagte Auswahlprofi Keisuke Honda.


Im Londoner Wembleystadion hätte Vizeweltmeister Niederlande zu Gast sein sollen, aber an Fußball denkt in diesen Tagen kaum jemand in der britischen Metropole. «Mit großem Bedauern» teilte die FA die Absage am Dienstag mit. Der niederländische Verband nannte als Begründung, dass nach Angaben aus England «alle verfügbaren Polizeikräfte» wegen der Unruhen gebunden seien.

Auf dem Papier ein Fußball-Leckerbissen, geht sogar das Gastspiel von Weltmeister Spanien bei Ex-Weltmeister Italien im «Calciocaos» unter. Angst vor dem Niedergang der Serie, die Urteile im Wettskandal und ein angedrohter Spielerstreik zum Ligastart prägen die Gazetten landauf landab. Einzig in Bari, wo Cesare Prandellis Auswahl gegen «Vorbild Spanien» bestehen will, dominiert ein anderes Thema, nämlich «Don» Antonio Cassano - Lokalheld, Superstürmer und launische Diva in Personalunion. Die Tifosi wollen den Milan-Star im Nationalteam sehen, Cassano soll dafür schon einige Kilogramm abgenommen haben.

Auch in der Türkei überschattet der Manipulationsskandal der Süper Lig den Fußball. Auswahltrainer Guus Hiddink beklagte vor dem Test gegen Estland einen Imageverlust und sieht die Nationalmannschaft besonders in der Pflicht. Die Spieler des deutschen EM-Qualifikationsgegners müssten den Fans nach dem verschobenen Liga-Start ein gutes Gefühl geben, forderte der Niederländer Hiddink.

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