Am 3. August spielt die brasilianische Nationalmannschaft gegen Deutschland, und die größte Attraktion beim fünffachen Weltmeister ist der neue Wunderstürmer Neymar. Fast alle Großclubs jagen den 19 Jahre alten Stürmer - den Zuschlag erhält nun wohl Real Madrid.
Das neue Wunderkind des brasilianischen Fußballs fällt auch außerhalb des Platzes auf. Der erst 19 Jahre alte Neymar trägt eine extravagante Irokesen-Frisur, die ihn gleich ein paar Zentimeter größer aussehen lässt, als er ist. Dabei gibt es ohnehin kaum einen zweiten Spieler auf der Welt, der in den vergangenen Monaten so groß gemacht wurde wie er: Der FC Chelsea wollte ihn unbedingt, der FC Barcelona auch - zwei Tage vor dem Gastspiel Neymars mit der brasilianischen Nationalmannschaft in Stuttgart (Mittwoch, 20.45 Uhr) scheint nun aber Real Madrid das Wettbieten um den flinken Stürmer gewonnen zu haben.
Spanische und brasilianische Medien berichten übereinstimmend, dass sich die «Königlichen» und Neymars Verein FC Santos weitgehend über einen Wechsel geeinigt hätten. Reals Präsident Florentino Perez verließ dafür sogar eigens das Trainingslager seines Teams in China.
Fraglich ist wohl nur noch, ob Neymar erst nach der Club-WM im Dezember wechselt oder schon jetzt, ob er rund 45 Millionen Euro Ablösesumme kostet oder noch etwas mehr. Außer Frage steht allerdings, dass ihm alle Experten eine grandiose Zukunft voraussagen. «Er kann ohne Zweifel ein großartiger Spieler wie Messi oder Ronaldo werden», meinte Pelé, das Idol des FC Santos und des gesamten brasilianischen Fußballs, in der vergangenen Woche.
Neymar selbst denkt gar nicht daran, die überbordenden Erwartungen an ihn ein wenig zu dämpfen. «Ich hoffe, dass wir bis 2014 genug gelernt haben werden, um Brasilien zum Titelgewinn zu führen», sagte er in einem Interview mit dem Internetportal des Weltverbandes FIFA. Nach dem WM-Titel im eigenen Land lechzt seine gesamte, erfolgsverwöhnte Nation. Und auf Neymar ruhen nach bereits 9 Toren in nur 19 Länderspielen die mit Abstand größten Hoffnungen.
Es ist eine schillernde Truppe, mit der die Brasilianer am Mittwoch gegen Deutschland antreten werden. Der neue Nationaltrainer Mano Menezes tut im Gegensatz zu seinem Vorgänger Carlos Dunga genau das, was die Fans immer fordern, und setzt auf Jungstars wie Neymar, Ganso (FC Santos), Pato (AC Mailand) oder Lucas (FC Sao Paulo).
Neymar ist nicht der einzige, der vom europäischen Hochadel gejagt wird. So baggert der AC Milan seit Monaten an Ganso herum und Chelsea noch länger an Pato. Gemessen an diesen Vorschusslorbeeren hat die enorm verjüngte «Seleção» bislang allerdings noch nichts erreicht. Bei der «Copa America» in Argentinien schieden die Brasilianer im Juli auf peinliche Art und Weise im Viertelfinale gegen Paraguay aus. Und auch in den Monaten davor gelang ihnen kein einziger Sieg, wenn es gegen einen «großen» Gegner wie Frankreich oder Argentinien ging.
«So werden die meisten Nationalteams gegen Brasilien auftreten: Stark zurückgezogen und auf Konter lauernd. Das ist leider so», sucht Neymar nach einer Erklärung für diese Bilanz. «Wir müssen uns mental darauf einstellen, damit wir nicht erneut überrascht werden.»
Die deutsche Mannschaft kann er damit nicht gemeint haben, zwischen all den Özils, Götzes oder Podolskis würde sich Neymar bestimmt wohlfühlen. Das Wunderkind gilt als enorm schnell und trickreich, aber manchmal auch zu selbstverliebt. So soll ihm Real Madrid bei den Gesprächen mit als erstes auf den Weg gegeben haben, sich doch bitteschön einen seriöseren Haarschnitt zuzulegen.